Cheeseburger ohne Käse

(c) AP (E.B. McGovern)
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Es ist also so weit: Der deutsche Wirtschaftsminister ist ein Jahr jünger als ich. Grauenhaft!

Adelig bin ich auch nicht. Und – ich trau es mich gar nicht recht zu sagen – ich habe nur einen Vornamen. Läppisch. Ich weiß. Spätestens jetzt wird es also Zeit, der Realität ins Auge zu blicken. Was noch nicht ist, wird auch nicht mehr werden. Im Gegenteil sogar. Es beginnt die Phase, in der man seine ganze Kraft aufwenden muss, um das mäßige Niveau auch nur einigermaßen zu halten. Eine Steigerung ist schon rein biologisch nicht mehr drinnen. Vom Rest ganz zu schweigen.

Andererseits: Deutscher Wirtschaftsminister? Wer will das sein? Noch dazu in Zeiten der Finanzkrise. Wenn ich es recht und in Ruhe besehe, ein ziemlicher Dodeljob, bei dem man nur verlieren kann. Da muss sich erst einmal einer finden.

Und ja überhaupt – Sie merken, ich beginne, mich zu fangen –, wer möchte schon so früh alles im Leben erreicht haben? So wie der Seiltänzer Philippe Petit, der mit Mitte zwanzig ohne Netz in 417 Meter Höhe zwischen den Towers des World Trade Centers balanciert ist (seine Geschichte erzählt „Man on Wire“ derzeit im Kino). Wenn man so etwas früh gemacht hat, dann hat man es hinter sich. Auch wenn man nicht runtergefallen ist. Alles andere im Leben ist dann nur noch ein müder Abklatsch. Vielleicht spar ich mir Ministerwerden doch noch ein bisserl auf. Das mit dem World Trade Center geht ja leider nicht mehr. Hätte ich sicher gemacht.

Richtig, damit der Titel noch irgendeinen Sinn bekommt: An einem Kiosk in Wien steht Cheeseburger ohne Käse auf der Karte. Das ist fast wie ein Samstag ohne Rainer Nowak. Schlimmer ist nur mehr, deutscher Wirtschaftsminister zu sein. Aber nur knapp. Pah!


florian.asamer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2009)

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