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Biathlon-WM: Der Kaiser der Wintersportler

(c) EPA (Andreas Gebert)
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Chaos pur: Björndalen verließ die Strecke, gewann, wurde bestraft und siegte doch. Es ist bereits der zwölfte WM-Titel des 35-jährigen Norwegers. Den Medien in seinem Land gehen die Superlative aus.

Pyeongchang (red.). Das Hickhack war einer WM nicht würdig. Auch hatte es sich Ole Einar Björndalen nicht verdient, so lange warten, zittern zu müssen. Der 35-jährige Norweger hatte die Verfolgung in Pyeongchang gewonnen, wurde aber mit einer Strafminute belegt, weil er mit zehn anderen Läufern die Strecke verlassen hatte, und war damit nur noch Dritter. Norwegen und acht andere Verbände protestierten, die Berufungsjury musste entscheiden – Stunden später stand Björndalen doch als Sieger fest. Bester Österreicher wurde Simon Eder als Elfter.

Es ist Björndalens zwölfter WM-Titel, zugleich bedeutete es für den fünffachen Olympiasieger auch den 86. Weltcupsieg. Damit stellte der in Obertilliach lebende Superstar die Rekordmarke von Schwedens Skistar Ingemar Stenmark ein.

Björndalen, der auch im Langlauf-Weltcup bereits ein Rennen gewinnen konnte, gibt seiner Konkurrenz stets neue Rätsel auf. Er schießt und trifft präzise, unterlaufen ihm jedoch Fehler, gleicht er sie mit seiner Laufstärke sofort aus. Die WM in Pyeongchang, Südkorea, könnte nun zu Björndalen-Festspielen werden.

Dass ihm seine Erfolge zu Kopf steigen, diese Gefahr besteht nicht. „Dafür bin ich nicht der richtige Mensch“, sagt der Ausnahmeathlet. Norwegens Medien hingegen sind die Superlativen bereits ausgegangen. Er wird „König“ genannt, auch „der Außerirdische“ oder „Kannibale“ war zuletzt zu lesen.

Seit Sonntag aber ist Björndalen nicht nur König der Biathleten, sondern auch „Kaiser der Wintersportler“. Ans Aufhören denkt der Publikumsliebling übrigens nicht. Bis Sotschi 2014 läuft und schießt er weiter – sehr zum Leidwesen seiner Konkurrenz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.02.2009)