Islamlehrer: Deutsch auf Maturaniveau

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Die Deutschtests für islamische Lehrer laufen (langsam) an. Das Ministerium schreibt einen österreichweiten Standard vor. Auch für andere Glaubensrichtungen gelten diese Regeln.

WIEN. Prüfungszeit für Österreichs rund 350 islamische Religionslehrer: Bis Ende April müssen sie ihre Deutschkenntnisse unter Beweis stellen. Wie gut die sein müssen, legte das Unterrichtsministerium gestern, Montag, fest: Alle Islamlehrer müssen Deutsch auf dem Niveau B2 des „Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen“ beherrschen. In diesem System, das Sprachkompetenz international vergleichbar machen soll, entspricht das Maturaniveau.

Anhand dieser Vorgabe werden die Landesschulräte nun die Prüfungen durchführen – schriftlich und mündlich. Ein Verfahren, das in Wien bereits seit 2006 bei Neuanstellungen von Religionslehrern der einzelnen Konfessionen angewendet wird. Von 32 überprüften Pädagogen konnten bisher fünf die notwendigen Voraussetzungen nicht erfüllen und wurden deshalb nicht angestellt. Parallel dazu wurden Religionslehrer im Pflichtschulbereich seit 2007 auch jährlich vom Stadtschulrat geprüft – vier Lehrer mussten danach ihre Deutschkenntnisse verbessern.

Dabei geht es nicht nur um Islamlehrer, auch für andere – kleinere – Glaubensrichtungen, etwa Kopten oder Buddhisten, gelten diese Regeln. Im Wiener Stadtschulrat sieht man sich jedenfalls gerüstet, die 169 islamischen Religionslehrer zu überprüfen, schließlich habe man mit den Prüfungsinstrumenten, etwa standardisierten Kontrollbögen, schon genügend Erfahrungen gemacht.

Viele offene Fragen in den Ländern

Bisher liefen diese Überprüfungen, sofern es sie überhaupt gab, österreichweit unterschiedlich ab. Mit der Vorgabe des Ministeriums wurde nun ein einheitlicher Standard geschaffen. Auslöser für die Deutschtests ist eine viel beachtete Studie, derzufolge jeder fünfte Islamlehrer seine Religion nicht mit der Demokratie für vereinbar hält.

Allerdings: Die Tests werden in den Bundesländern nicht nach dem gleichen Verfahren und zur gleichen Zeit durchgeführt. Im Gegenteil. Während Wien bereits in den nächsten Tagen die ersten Lehrer zum Deutschtest laden will, gehen es andere Bundesländer merklich langsamer an. In Vorarlberg beginnen im Landesschulrat in dieser Woche erste Gespräche darüber, wie und wann die 22 Islamlehrer überprüft werden. Jedenfalls aber „nach den Vorgaben des Ministeriums“, wird versichert. Aufnahmetests für Religionslehrer wie in Wien wurden in Vorarlberg bisher nicht durchgeführt. „Auffälligkeiten“ islamischer Lehrer habe es aber auch nie gegeben.

Der Tiroler Landesschulrat hatte für die 30 Islamlehrer eigentlich keine Deutschtests geplant (Begründung: „Die Unterrichtssprache ist ja sowieso Deutsch“). Da diese nun aber vom Ministerium vorgeschrieben wurden, werde man sich in den nächsten Wochen etwas überlegen. Zeitplan? Gibt es noch nicht.

Zeit braucht man auch in der Steiermark: Nächste Woche findet im Landesschulrat eine Konferenz mit Schulinspektoren statt, bei der der Ablauf der Tests geklärt werden soll. Unter Zeitdruck sieht man sich aber nicht. „Bei 31 Religionslehrern wird das relativ schnell gehen“, sagt Esad Memic, Fachschulinspektor für islamischen Religionsunterricht für Kärnten und die Steiermark. Aufnahmetests, die man wie in Wien nun adaptieren könnte, gibt es nicht. Seit 2007 müssen Direktoren aber einmal im Jahr den Religionsunterricht an ihren Schulen besuchen und dem Landesschulrat mittels „Dienstaufsichtsprotokoll“ Feedback über Lehrmethoden und Unterrichtssprache abliefern. Auffällig sei bisher kein einziger Lehrer geworden. Auch an Kärntens Schulen verlaufe der islamische Religionsunterricht problemlos. Für die Deutschtests der Lehrer werde gerade ein „Modell“ entwickelt. Allzu kompliziert dürfte es aber nicht werden: In Kärnten sind gerade einmal elf Islamlehrer beschäftigt.

Auf einen Blick

Das Unterrichtsministerium hat am Montag festgelegt, dass islamische Religionslehrer Deutschkenntnisse zumindest auf Niveau B2 (entspricht Maturaniveau) haben müssen, um weiter unterrichten zu dürfen.

Bis Ende April müssen die Landesschulräte nun die Deutschkenntnisse der Islamlehrer überprüfen. Wien will bereits in den nächsten Tagen beginnen, andere Bundesländer prüfen noch, wie die Tests ablaufen werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2009)

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