Die „Erfolgsstory Ost“ ist gerade dabei, zum „Albtraum Ost“ zu mutieren.
Es gibt Leute, die halten die Hektik, die österreichische Regierungsmitglieder neuerdings in Sachen Osteuropahilfe an den Tag legen, für Wichtigmacherei. Wo doch jeder weiß, dass die Region riesigen „Nachholbedarf“ hat und die „Erfolgsstory“ nach einer kurzen Konjunkturdelle ungebrochen weitergehen wird.
Sie sollten sich ein bisschen genauer umhören. Dann würden sie sehr schnell merken, dass die Erfolgsstory Ost gerade dabei ist, zur Megakatastrophe Ost zu mutieren.
Ganz klar sagt das noch keiner. Man will ja nicht als Wirtschaftskrankredner dastehen. Aber ab und zu blitzt das Ausmaß der Malaise durch.
Am Montagmorgen etwa, als ein Experte der französischen Großbank BNP Paribas in einem TV-Interview so nebenbei fallen ließ, seine Bank rechne damit, dass die „Assets“ der Banken in Osteuropa um 20 Prozent überbewertet seien. Dass dort also ein Abschreibungsbedarf von rund 230 Mrd. Dollar (rund 180 Mrd. Euro) bestehe.
Die österreichischen Banken sind in der Region mit 224 Mrd. Euro also weit überdurchschnittlich engagiert. Wenn das Horrorszenario der Franzosen auch nur halbwegs stimmt, dann droht unseren Banken aus der Osteuropakrise ein Abschreibungsbedarf von mehr als 40 Mrd. Euro. Na dann gute Nacht. Zur Erinnerung: Die gesamte Verstaatlichtenkrise der Achtzigerjahre, an der die Republik 20 Jahre lang gekiefelt hat, kostete sieben Mrd. Euro.
Selbst wenn nur die Hälfte an Abschreibungsbedarf anfällt, ist das Eigenkapital der Ost-Player wohl so gut wie weg. Dass da intensiv nach Mitstreitern für ein Hilfspaket gesucht wird, ist wohl klar. Denn die Prämisse, dass keine „Systembank“ – und das sind die im Osten engagierten Institute alle – den Bach hinuntergehen darf, ist ja außer Streit. Die Frage, wo die vielen Milliarden dafür herkommen sollen, ohne den Staatshaushalt für viele Jahre völlig aus den Fugen zu bringen, schon weniger.
Übrigens: Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) hat in der Vorwoche auf die Journalistenfrage, ob auch in Österreich Notverstaatlichungen von Großbanken drohen, nicht mit dem erwarteten „So a Bledsinn“, sondern mit „Wir werden alles tun, um so etwas bis zuletzt hinauszuzögern“ geantwortet. Bei den Entscheidungsträgern scheint der Ernst der Lage also angekommen zu sein.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2009)