Mercedes und BMW wollen gemeinsam einkaufen

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Die Krise erhöht den Druck auf Zusammenarbeit. Nur der Kunde soll von der Freundschaft hinter den Kulissen nichts merken, denn das könnte der Marke schaden.

Wien (gau). Vor zwei Jahren wäre für verrückt erklärt worden, wer dieses Szenario prophezeit hätte: Die Erzrivalen Daimler und BMW planen eine Zusammenarbeit in großem Stil. Zusammen einkaufen, Finanztöchter verbünden, vielleicht sogar gemeinsam Motoren entwickeln – viele Tabus fallen in diesen Tagen in den Vorstandsetagen der beiden prestigeträchtigsten Autobauer Deutschlands.

Während die Produzenten kleinerer Gefährte stark von der Abwrackprämie profitieren, gehen die Premiumhersteller fast leer aus. Ihre Entwicklungskosten sind in Zeiten einbrechender Absatzmärkte kaum noch allein zu stemmen. Also rücken sie in der Krise näher. Nur eines, wird beteuert, bleibe ausgeschlossen: eine kapitalmäßige Verflechtung.

Tatsächlich haben Schwaben und Bayern schon bei der Hybridtechnik guten Willen zur Zusammenarbeit gezeigt, und in Sachen Einkauf tasten sie sich seit einem Jahr vorsichtig ab. Doch jetzt wird es ernst. Nach Informationen der „FAZ“ stehen erste Verträge kurz vor dem Abschluss. Auf 350 Mio. Euro schätzen Konzernkreise das Einsparungspotenzial durch höhere Mengenrabatte bei geballter Einkaufsmacht.

Der Kunde soll nichts merken

Nur der Kunde soll von der Freundschaft hinter den Kulissen nichts merken, denn das könnte der Marke schaden. Das ist freilich bei Fensterhebern, Sicherheitsgurten und hunderten verdeckten Kleinteilen kein ernstes Problem.

Was BMW und Mercedes nun erproben, ist zwischen VW, dessen Tochter Audi und dem Anteilseigner Porsche längst Realität. Geländewagen werden dort „en famille“ entwickelt, und die Kinder heißen dann Cayenne, VW Touareg und Audi Q7. Doch auch BMW hat schon einschlägige Erfahrungen gesammelt: Den Motor des Mini findet man auch in Modellen von Peugeot und Citroën.

Eine weit größere Tradition hat das Motto „gemeinsam sind wir stark“ im Handel. Bekanntestes Beispiel in Österreich war die Einkaufskooperation von Adeg mit dem deutschen Rewe-Konzern, bevor dieser die Mehrheit der Adeg-Anteile erwarb.

Freilich stoßen solche Kooperationen an Grenzen. Da sind zunächst die inneren Widerstände in den Unternehmen. Dabei geht es nicht nur um emotionale Hemmungen. Denn in aller Regel ist der Vorteil für einen Partner größer – für den, der vor der Kooperation in der schwächeren Position war. Der Stärkere hat also oft gute Gründe, seinen Mitbewerber in jeder Hinsicht auf Distanz zu halten.

Dazu kommen rechtliche Einschränkungen. Denn wenn sich aus den gemeinsamen Aktivitäten eine „marktbeherrschende Stellung“ am Beschaffungsmarkt ergibt, wird aus der harmlosen Kooperation rasch ein verbotenes Einkaufskartell.

Das kann gemäß deutschem und österreichischem Kartellrecht schon bei einem Marktanteil von 30 Prozent der Fall sein. Die beiden Nobel-Automarken liegen freilich auch zusammen deutlich darunter, bei knapp 20 Prozent.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.02.2009)

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