Abschied von der Genpanik

Trotz langer Suche war kein Gesundheitsrisiko durch gentechnisch veränderte Nahrung zu finden. So schwindet auch die Angst davor.

Wenn Alarmsirenen zu oft schallen, ohne dass etwas passiert, gewöhnt man sich an sie, hört sie gar nicht mehr. Das ist das Problem der Gentechnikgegner: Seit vielen Jahren warnen sie lauthals vor gentechnisch veränderten Nahrungsmitteln – vor „Gen-Food“, wie sie gern halb englisch sagen –, und es ist nichts passiert. Seit Mitte der Neunzigerjahre läuft in den USA ein Großexperiment (mit unfreiwilligen Teilnehmern): Millionen essen täglich „GM Food“, nicht einer ist erkrankt, nicht einmal Allergien sind durch eingeschleuste Gene – respektive die entsprechenden Proteine – häufiger geworden. Auch in der Umwelt wurden weder Monster erzeugt noch Nützlinge vernichtet. Die Warnungen vor „Verseuchung“ durch „Gensaat“ klingen heute nur mehr lächerlich.

So ist abzusehen, dass auch in Europa die Attraktivität von „garantiert genfreien“ Produkten weiter schrumpft. Die Proteste gegen den zu erwartenden Fall des Anbauverbots von Genmais und Konsorten in Österreich werden abflauen. Menschen, die gern „bewusst einkaufen“ (und sich das auch leisten können), werden auf andere Etiketten schauen. Sie werden – zu Recht – Wert darauf legen, dass Produkte mit ökologisch verträglichen Methoden – und, gerade in der Wirtschaftskrise immer wichtiger, unter akzeptablen Arbeitsbedingungen – erzeugt worden sind. Aber sie werden kein offenes Ohr mehr für Genpanik haben. Gut so.


thomas.kramar@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2009)

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