"Illuminati": Film trifft Physik

(c) AP (Martial Trezzini)
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„Illuminati“ spielt im Vatikan und im CERN, das auch den letzten Dingen nachgehen will, aber nach einem Unfall von der Konkurrenz bedroht ist.

In dieser Nacht wird im Vatikan ein uraltes Ritual abgehalten. Hunderttausende sind auf dem Petersplatz versammelt, um dem Konklave beizuwohnen“, berichtet ein Erzähler, der von einem Radioreporter abgelöst wird: „Ein neuer Papst ist noch nicht gewählt. Wir sehen schwarzen Rauch aufsteigen“, dann noch eine Stimme, diabolisch: „Dies ist der perfekte Augenblick für unsere Rache. Wir sind die Illuminaten!“ So viel gibt der Werbetrailer vom Film „Illuminati“ (Original: „Angels & Demons“) preis, er stützt sich auf ein Manuskript von Dan Brown. Ja, das ist der mit „Da Vinci Code“, es wird also wieder eine wilde Verschwörung mit Historienhintergrund, Regie führt neuerlich Ron Howard, auch der Hauptdarsteller ist geblieben – Tom Hanks –, den Rest kann man sich im Groben denken.

Im Feinen soll nun der Vatikan von einem äonenalten Geheimbund annihiliert werden, im Wortsinn, zu Nichts zerstäubt, mit Antimaterie, 0,25 Gramm. Wo nimmt man die her? Von einem Ort, an dem es auch um die letzten Dinge geht, von CERN mit seinen Teilchenbeschleunigern, 1965 gelang dort Anti-Wasserstoff. Deshalb war die Filmcrew letztes Jahr zum Drehen dort, deshalb nun zur Promotion (Filmstart: Mai), Hanks erlag der Aura des Orts: „Hier geschieht Magie, hier wird Magie erklärt.“ Wie wahr, Rolf Landua, ein CERN-Physiker, hat eigens für den Film ein Verfahren erdacht („resonante Anti-Protonen-Produktion“), das genug Antimaterie erzeugen könnte: 0,25 Gramm sind viel, CERN brachte es in seiner ganzen Geschichte auf kaum zehn Nanogramm (Milliardstel Gramm). Spannend wird sein, wie sie die explosive Fracht nach Rom tragen: Antimaterie löst sich bei Begegnung mit Materie (gemeinsam mit ihr) sofort in Energie auf.

Immerhin, Antimaterie gibt es, insofern hat der Film einen realistischen Kern. Beim neuen Großbeschleuniger LHC, den CERN-Physiker, die oft ins Kino gehen, auch als „Urknall-Maschine“ bewerben, ist das weniger klar: Er soll vor allem das von Peter Higgs postulierte Teilchen der Teilchen finden, das allen anderen Masse verleiht und deshalb auch als „Gottes Teilchen“ bekannt ist. Anders als bei der Antimaterie, die es gibt, und bei den Illuminaten, die es nicht gibt, ist bei den Higgs-Teilchen nichts gewiss, deshalb das Experiment. Aber als es im letzten Herbst beginnen sollte, stiegen auch im LHC schwarze Wolken auf, auch sie verhießen: abwarten! Ein Teil der Kühlung der supraleitenden Magneten war ausgefallen, mit enormem Schaden, LHC kann erst im Herbst wieder in Gang gebracht werden.

Wettlauf zu Gottes Teilchen

Das freut die Konkurrenz – das US-Fermilab will nun als Erstes das Teilchen finden –, das gibt LHC-Gegnern eine Frist: Manche fürchten, dass schwarze Löcher entstehen, die die ganze Erde fressen, eine Klage gegen das Experiment ist beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte anhängig.

Wäre das nicht ein Blockbuster für Howard? Er winkt ab, immerhin: Hanks hat zugesagt, im Herbst den reparierten LHC anzuwerfen, nicht mit einem Druck auf irgendeinen Schalter, sondern mit einem „frankensteinesken Messer“ (Naturenews, 16.2.).

LHC, DER GIGANT

Der Large Hadron Collider (LHC) am europäischen KernforschungszentrumCERN bei Genf ist (mit einem fast 27 km langen Ring) derweltgrößte Teilchenbeschleuniger, in dem etwa Protonen mit nahezu Lichtgeschwindigkeit aufeinanderprallen sollen.Letzten Herbst sollte er in Betrieb gehen, ein Unfall legte ihn lahm, neuer Start: Herbst.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.02.2009)

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