Ex-Oligarch Chodorkowski muss wieder vor Gericht

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KHODORKOVSKY(c) AP (Misha Japaridze)
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Dem ehemaligen Öl-Milliardär und Kremlkritiker Michail Chodorkowski wird vorgeworfen, rund 20 Milliarden Euro unterschlagen zu haben. Er sitzt seit 2003 wegen Steuerhinterziehung und Betrug im Gefängnis.

Der seit 2003 inhaftierte Kremlkritiker Michail Chodorkowski (45) muss sich in einem zweiten Strafverfahren wegen milliardenschwerer Unterschlagung verantworten. Der Prozess gegen den russischen Ex-Ölmilliardär und dessen ebenfalls in Haft sitzenden Geschäftspartner Platon Lebedew (52) werde wohl in Moskau abgehalten, sagte Generalstaatsanwalt Juri Tschaika in einem im Voraus veröffentlichten Interview der Zeitung "Rossijskaja Gaseta".

"Einmaliges Ausmaß der Unterschlagung"

Die zu verhandelnde Unterschlagung durch die beiden Manager habe ein "für das heutige Russland einmaliges Ausmaß", erklärte Tschaika. Nach seinen Worten, die die Agentur Interfax zitierte, hätten Chodorkowski und Lebedew Vermögen im Wert von 900 Milliarden Rubel unterschlagen. Das sind nach aktuellem Kurs 20,2 Milliarden Euro. Zudem stünden beide im Verdacht, Geldwäsche im Ausmaß von 500 Milliarden Rubel betrieben zu haben. Nach Justizangaben sollen die Einnahmen aus der Ölproduktion von mehreren Jahren unterschlagen worden sein.

Es war einmal Yukos

Die Staatsanwaltschaft bereitet seit Jahren das zweite Strafverfahren gegen die früheren Eigentümer des vom Staat zerschlagenen Ölkonzerns Yukos vor. Tschaika zufolge umfasst die Anklageschrift 14 Bände. Die Anwälte der beiden prominenten Häftlinge sprachen von einer manipulierten Beweisaufnahme, bei der Zeugen erpresst und bedroht worden seien.

Der einst reichste russische Oligarch Chodorkowski und Lebedew waren 2003 verhaftet und 2005 zu jeweils acht Jahren Lagerhaft wegen Steuerhinterziehung und Betrugs verurteilt worden. Im August des Vorjahres lehnte die Justiz einen Antrag Chodorkowskis auf vorzeitige Haftentlassung ab. Vor zwei Jahren hatte Chodorkowski die neue Anklage gegen ihn als "schändliche Farce" bezeichnet, die mit Rechtsstaatlichkeit nichts gemein habe. Er sei überzeugt, dass er schuldig gesprochen werde, schrieb Chodorkowski in einem auf seiner Internetseite veröffentlichten Brief.

(Ag.)

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Der ehemalige Ölmagnat muss auch den Rest seiner achtjährigen Haftstrafe absitzen. 2003 war der Milliardär, der die Demokratie-Bewegung im Land unterstützt hatte, wegen Steuerhinterziehung festgenommen wurden.

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