Eishockey: Vergrößerung des Wiener Eispalastes fix

(c) GEPA (Oskar Hoeher)
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Die Albert-Schultz-Halle wird um knapp 30 Millionen Euro ausgebaut und 7000 Zuschauer fassen. Vienna-Capitals-Präsident Hans Schmid hält dennoch an seinem Rückzug fest.

WIEN. „Ihr könnt nach Hause fahren!“ Die Choräle der Capitals-Fans klangen zwar verhöhnend, aber etwas anderes blieb den Graz 99ers nach dem Auftaktspiel der Eishockey-Playoffs in Wien ja wirklich nicht übrig. Die Mannschaft von Puck-Legende Bill Gilligan war von den Vienna Capitals mit 6:0 abgefertigt worden, und diese Demonstration versprach für die kommenden Duelle der Best-of-7-Serie noch weitere Lehrstunden. Heute (19.15 Uhr) jedenfalls steigt SpielII in Graz.

Den weitaus wichtigeren Sieg landeten die Capitals am Dienstag jedoch hinter der Bande: Die leidige Hallen-Diskussion ist endgültig zu Ende, mit Saisonende rollen in Kagran die Bagger. Es wird aber keine neue multifunktionelle Arena (Preis: 100 Mio. Euro) gebaut, sondern der Schultz-Halle ein neuer Look verpasst. Das Architekturbüro „Alfred Berger und Tiina Parkkinen“ gab zwar auf „Presse“-Anfrage keine Auskunft, dennoch ist das knapp 30 Millionen Euro teure Projekt – es soll am Freitag offiziell präsentiert werden – beschlossene Sache. Eine in die Planungen involvierte Quelle verriet: Das Dach der Halle wird angehoben, weitere Tribünen und größere VIP-Logen werden gebaut. Dadurch sollen 7000 Sitzplätze geschaffen werden. Anstatt eines Videowürfels werden zwei Leinwände montiert und die neben dem Parkplatz liegende Eisfläche der Schultz-Halle angeschlossen und überdacht.

Eispalast sucht Präsident

Damit stehen dem Verein und allen Nachwuchsteams drei Spielflächen zur Verfügung, die Capitals sollen auch als „Alleinbetreiber“ des Eishockey-Zentrums eingetragen werden. Damit beginnt in Kagran eine neue Eiszeit. Zu klären ist nur noch die genaue Aufschlüsselung der Bau- und Betriebskosten. Läuft alles nach Plan, beginnt die Saison 2009/2010 bereits im „neuen“ Eispalast.

Damit ist zumindest eine der von Klubchef Hans Schmid verlangten Veränderungen erfolgt. Auch deshalb war Vizebürgermeisterin Grete Laska am Dienstag in seiner Loge zu Gast, sie soll dem Werbefachmann und Eishockey-Liebhaber dort ihre weitere Unterstützung zugesichert haben. Doch Schmid bleibt – die „Presse“ berichtete bereits – bei seiner Entscheidung: Er zieht sich mit Saisonende aus dem operativen Geschäft des Vereins zurück.

Wenngleich ihm die Reaktionen von Fans, Partnern und Größen aus der Lokalpolitik in den vergangenen drei Wochen extrem imponiert haben sollen, die ihn zum Weitermachen bewegen wollten, hält der 68-jährige Unternehmer und begeisterte Winzer an seinem Entschluss fest. Er habe von den Querelen in der Liga und den gestiegenen Spielerkosten genug. Das Wort „Punkteregelung“ erzeuge nur noch Unmut bei ihm. Also entschied sich Hans Schmid für seine „Lebensqualität“ und zieht sich nach millionenschweren Investitionen zurück.

Capitals „sterben“ nicht

Dennoch lässt es der Geschäftsmann nicht zu, dass „seine“ Vienna Capitals von der Bildfläche verschwinden. Durch den Hallenumbau wird ein neuer Impuls gesetzt, der seinem Nachfolger – die Suche läuft – mit verbesserten Voraussetzungen eine Neuplanung erleichtern soll. Nachdem die Klubführung von bestehenden Sponsoren bereits eine positive Resonanz vernommen hat, steht dem Fortbestand des Vereins (fast) nichts mehr im Wege. Was noch fehlt, ist ein neuer, starker Mann an der Spitze.

AUF EINEN BLICK

www.vienna-capitals.atDie Vienna Capitals bezwangen zum Play-off-Auftakt der Eishockeyliga Graz mit 6:0.

Hinter den Kulissen sickerte durch, dass die Hallen-Diskussion beendet ist. Die Schultz-Halle wird für 30 Mio. Euro ausgebaut, sie bietet dann 7000 Besuchern Platz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.02.2009)

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