Machtkampf: Immofinanz verliert den Vorstandschef

(c) AP (Ronald Zak)
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Die schwer gebeutelte Immobilien-Gesellschaft Immofinanz hat keinen Vorstandssprecher mehr: Thomas Kleibl geht mit Ende Februar, hinterlässt aber Sanierungskonzept.

WIEN. Ex-AUA-Finanzchef Thomas Kleibl, der die damals insolvenzgefährdete Gruppe am 13.Oktober des Vorjahres übernommen hatte, scheidet per Ende Februar aus dem Unternehmen aus.

Er sei engagiert worden, um die komplexen Probleme der Immobiliengruppe zu analysieren und rasch die Grundlagen für eine Restrukturierung zu schaffen, teilte Kleibl per Aussendung mit. Dies sei geschehen, die Umsetzung müssten jetzt andere übernehmen. Tatsächlich dürfte Kleibls „Standing“ bei den Banken wesentlich dazu beigetragen haben, dass die fast sichere Insolvenz der Gruppe im vergangenen Herbst vermieden werden konnte. Kleibls Zukunft ist noch offen, er werde aber „auch“ Berater für einen schwedischen Industriefonds sein.

Machtkampf mit Zehetner

Dem Abgang dürfte ein heftiger Machtkampf zwischen Kleibl und dem Chef der Immofinanz-Tochter Immoeast, Eduard Zehetner, vorausgegangen sein. Kleibl war als Sanierer vom damaligen Aufsichtsratschef, Wolfgang Reithofer, geholt worden. Dieser warf allerdings kurze Zeit später selbst das Handtuch. Sein Nachfolger holte dann zusätzlich den RHI-Sanierer Zehetner an Bord.

Kleibl und Zehetner waren am Donnerstag für Stellungnahmen nicht verfügbar. In der Branche wird gemunkelt, Kleibl sei in der Immofinanz auch wegen seines investigativen Stils angeeckt. In den Immofinanzskandal, der sehr viele Kleinanleger sehr viel Geld gekostet hat, seien eine Reihe von „großen Kalibern“ verwickelt, die kein Interesse an einer lückenlosen Aufklärung vergangener Ereignisse hätten, hieß es.

Die Immofinanz wird jedenfalls einige Wochen lang keinen Vorstandssprecher haben: Bis der Aufsichtsrat einen neuen bestimmt, werden sich die bestehenden Vorstände, Eduard Zehetner, Daniel Riedl und Michael Wurzinger, die Kleibl-Agenden teilen. Eine Bestellung des Immoeast-Chefs Zehetner würde optisch jedenfalls keinen besonderen Eindruck hinterlassen: Die beiden Funktionen, die vorher in Personalunion von Karl Petrikovich besetzt waren, wurden aus Gründen der Corporate Governance erst im vorigen Herbst personell getrennt.

Vorerst keine Fusion

Immofinaz teilte am Donnerstag mit, dass Kleibl tragfähige Lösungen für die drei größten Probleme der Gruppe – ein derzeit nicht einbringbares „Intercompany Loan“ der Immoeast an die Immofinanz, eine halbwegs günstige Ablöse der externen Managementverträge von der Constantia Bank und für die Unternehmensanleihe der Immoeast an die Ibag – gefunden habe und diese jetzt umgesetzt würden. Womit der Gruppe erst einmal Luft verschafft worden sei.

Details wurden nicht bekannt gegeben. Nach Informationen der „Presse“ wird es die viel diskutierte Fusion der beiden Gesellschaften vorerst nicht geben, sie sei aber mittelfristig geplant. Vorerst ist an eine fusionsähnliche Konstruktion – etwa die Übernahme bestimmter Teile der Immofinanz durch die Immoeast – gedacht. Die Aktie reagierte mit einem Sprung nach oben.

auf einen blick

Thomas Kleibl, Vorstandschef der Immofinanz, verlässt die Immo-Gesellschaft nach nur fünfeinhalb Monaten. Er hinterlässt ein Sanierungskonzept, das nun umgesetzt wird. Hintergrund ist ein Machtkampf im Vorstand.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2009)

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