53. Opernball. Auf der Bühne viele Kinder, in den Logen trotz Finanzkrise immer noch viel prominente Gäste - die bewusst schlicht gekleidet waren.
Kann es noch schlimmer kommen? Schlimmer als zuvor von Klatschblättern und abgesetzten Tanzschulbesitzern, aufmüpfigen Debütantenpaaren und einem polternden Baumeister prophezeit? Nun, es kann scheinbar nicht.
Die 53. Auflage des Wiener Opernballs ging - ohne Demo - so reibungslos über die Bühne wie die über fünfzig Male davor. So gut, so gewöhnlich. Die abwesenden Manager und Bankenbosse, deren Fernbleiben man im Vorfeld beklagt und als ernstes (und erstes) Anzeichen der Wirtschaftskrise gedeutet hatte, fehlten eigentlich nicht so sehr. Am roten Teppich nicht, weil dort stattdessen zwei Herren für Aufregung sorgten. Der eine zum ersten Mal: Bundeskanzler Werner Faymann debütierte am Staatsball in seiner neuen Funktion und wurde von Staatsoperndirektor Ioan Holender auf dem roten Teppich persönlich begrüßt.
Gedränge um Sheridan
Der andere hat schon etwas mehr, genauer: 19 Jahre, Routine im Für-Aufregung-Sorgen. Richard Lugner löste mit seiner heurigen Ballspende, der (schwer verkühlten) Schauspielerin Nicollette Sheridan, noch mehr Wirbel aus als sonst. Um das Gedränge um seinen Stargast zu reduzieren, ließ er die weiße Stretchlimousine, in der er mit Sheridan vorfuhr, extra von sieben Sicherheitsleuten begleiten. Was nicht viel nützte: Sheridan wurde gleich beim Aussteigen von Fotografen belagert, tumultartige Szenen waren die Folge. Die Schauspielerin, die zuvor den Fototermin im Grand Hotel verschlafen hatte, versuchte ihr Entsetzen erst gar nicht zu verbergen, rief „My dress, my dress" und kam nur in Zeitlupe voran. Obwohl drinnen die Eröffnung schon begonnen hatte, blieben die Fotografen lieber draußen bei Sheridan. „Die geht sicher gleich wieder", vermuteten einige. Sie blieb vorerst.
Dabei war am roten Teppich schon vor Lugners (spätem) Eintreffen viel los gewesen. Vor der Oper wartete neben Holender (der dem ORF entgegen seiner Ankündigung doch ein Kurzinterview gegeben hatte) auch Ballorganisatorin Desirée Treichl-Stürgkh, die Bundespräsident Heinz Fischer und seine Frau Margit persönlich begrüßten. Die Bundespolitik war neben Faymann auch durch Vizekanzler Josef Pröll vertreten, wie auch durch mehrere Minister, darunter Michael Spindelegger, Claudia Schmied und Johannes Hahn vertreten. Auch EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner saß längst in ihrer Loge und beobachtete die Eröffnung, als sich Sheridan noch über die Feststiege plagen musste. Unter den Gästen, die in die Oper einzogen, waren Karl Schranz und der Oscar-prämierte Stefan Ruzowitzky. Schwimmer Markus Rogan und Freundin Christine Reiler ließen sich beim Blitzlichtgewitter am roten Teppich sehr viel Zeit. Auffallend: Die Roben der Damen waren - wohl um in Krisenzeiten nicht zu pompös zu wirken - vorwiegend schlicht.
Volle Logen, volles Parkett
Die angekündigten fehlenden Manager bemerkte man im Ballsaal nicht, weil die Logen in der ausverkauften Oper - heuer mit fliederfarbenen Rosen und Tulpen dekoriert - bis auf den letzten Platz besetzt waren.
Dass der Abend nicht bloß ein Ball „in der", sondern „der Oper" ist, wie Holender gern korrigiert, war bei der Eröffnung deutlicher zu spüren als zuletzt. Eine Eröffnung ohne durchkomponiertes Motto zwar, aber zumindest gab es eine kleine Hommage an Joseph Haydn anlässlich seines 200. Todesjahres. Und fest in Kinderhand war sie ebenfalls, die Eröffnung.
Nach der leichten Tritsch-Tratsch-Polka sang der Kinderchor der Opernschule (darunter auch Holenders Tochter Alina) „Amore S'Ingegna" aus der Haydn-Oper Lo Speziale. Danach wetteifern „die Großen", die Tänzer des Staatsopernballetts, mit „den Kleinen" aus der Ballettschule der Oper um die Gunst des Publikums zu Haydn-Klängen in spätbarocken Kostümen und mit weißen Perücken (Haydn lässt grüßen!).
Danach folgte das Trinklied aus Verdis „La Traviata", das die Sopranistin Tamar Iveri und der Tenor Ramón Vargas im Duett intonierten. Die Jungdamen und Jungherren eröffneten das Tanzparkett diesmal offiziell mit dem gemeinsam gerufenen „Alles Walzer!" schon während des Donauwalzers. Die Idee hatte Holender erst gegen Ende der Generalprobe geboren - und damit wieder einmal alle Pläne umgeworfen. Neu auch die Tanzschulen: Roman Svabek und die Grazer Tanzschule Kummer.
Den Rat von Ballmutter Treichl an die Debütanten - „Vergesst's nicht zu lachen, dann verzeiht man euch alles", - schienen viele zu beherzigen: Sheridan, die dann in der Loge entspannter wirkte und milde lächelte. Die (davor von Holender gescholtenen) ORF-Moderatoren und so mancher doch noch erschienene Manager - wie der Mann der Ballmutter, Erste-Chef Andreas Treichl. Vielleicht aus Angst, es könnte schlimmer kommen. Noch schlimmer als manche prophezeit hatten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.02.2009)