Party-Chic statt Krisenstimmung am 53. Opernball

OPERNBALL 2009: EROEFFNUNG
OPERNBALL 2009: EROEFFNUNG(c) APA (Georg Hochmuth)
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Die Wiener und alle ihre Gäste ließen sich die Walzerstimmung nicht von der Finanzkrise vermiesen. Sogar Staatsoperndirektor Ioan Holender fand versöhnliche Worte.

Totgeschriebene leben länger: Entgegen vieler Unkenrufe entpuppte sich der Opernball 2009 am Donnerstag als farbenprächtige, fröhliche Faschingsparty, die sich nicht krankjammern ließ. Sabotageakte bei der Eröffnung blieben genauso aus wie lange Mienen und Krisenstimmung. Sogar Staatsoperndirektor Ioan Holender fand versöhnliche Worte: "Nun gut, skurril ist der Opernball natürlich schon. Aber es ist heuer besonders wichtig, dass es ihn gibt. Ohne ihn würde Österreich rund 70 Millionen Euro verlieren".

Dass das Opernballteam bei der Eröffnungschoreographie auf neue Ideen aus den Bundesländern setzte, machte sich ebenfalls bezahlt. Unter der Federführung der steirischen Tanzschule Kummer kam die ein wenig in die Jahre gekommene Debütanteneinlage optisch im 21. Jahrhundert an. Obwohl Vorgänger Thomas Schäfer-Elmayer bei der Generalprobe noch einige gravierende Mankos erkennen wollte, musste auch er letztlich seinem Nachfolger zugestehen, dass die Performance klaglos über die Bühne gegangen ist. "Meine harsche Kritik an der Generalprobe hat offenbar etwas gefruchtet", meinte Elmayer nach der Eröffnung.

Unter den Debütanten war heuer auch der Sohn von Fiona Swarovski, Arturo. "Ich bin sehr stolz", sagte Swarovski nach der Premiere ihres Sprösslings. "Nur dass das Herz der Mama wahrscheinlich noch mehr gepumpert hat als das ihres Sohnes". Begleitet wurde die in ein schwarzes Valentino-Vintage-Kleid gehüllte Jet-Set-Lady von ihrem Ehemann, dem ehemaligen Finanzminister Karl Heinz Grasser.

Treichl-Stürgkh: "Alles hat geklappt"

Entsprechend erleichtert war auch die in den vergangenen Tagen ein wenig angeschlagene Organisatorin, Desiree Treichl-Stürgkh. "Es ist ein großartiges Fest geworden. Alles hat geklappt", freute sie sich. Über ihre persönliche Zukunft auf dem Ball wollte sie nur soviel sagen: "Ich habe gesagt, dass ich ihn solange mache, solange Ioan Holender Direktor ist - und dabei bleibe ich". Schützenhilfe bekam die Organisatorin von ihrem Mann, dem Chef der Ersten Group, Andreas Treichl. "Ich hab ihr genau das gesagt, was jetzt ist: Es wird ganz toll werden", schwärmte der Banker.

Auch die Staatsspitze brach der Luxus-Veranstaltung eine Lanze: Bundespräsident Heinz Fischer zeigte sich von der wirtschaftlichen Bedeutung des Opernballs überzeugt. "Wir stehen gut genug da, dass wir das nicht wie eine heiße Kartoffel fallen lassen müssen. Ich glaube, die Menschen, die daran gearbeitet haben, dass dieser Ball erfolgreich ist, haben das verdient."

Werner Faymann sprach sich bei seinem Ball-Debüt als Kanzler ebenfalls für positives Denken aus: "Es ist unangenehmer, Optimismus zu zeigen, wenn die Wirtschaft schlecht ist. Aber es ist notwendig", betonte er. "Man braucht den Realitätssinn auf der einen Seite, Probleme nicht zu leugnen, und man braucht Zuversicht und den Optimismus."

Pröll: "Flaggschiff der Alpernrepublik"

Auch für seinen Vize und Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) war die Wirtschaftsentwicklungen "natürlich ein Thema" am Opernball, einem "Flaggschiff" für die Alpenrepublik. "Deswegen ist er auch ein guter Treffpunkt neben der Unterhaltung und dem Tanzen", betonte er. "Wer glaubt, eine Krise durch Verstecken lösen zu können, der täuscht sich - gerade in so einer Krise ist Auf-, Hin- und Antreten gefragt." Der Opernball könne auch helfen, "Kraft für Optimismus zu tanken" und mache "stolz auf Österreich".

Andere Unternehmer und Stammgäste der Wirtschaftsprominenz blieben diesmal allerdings fern: Raiffeisen-Generalanwalt Christian Konrad oder Magna-Gründer Frank Stronach ließen sich ebenso wenig blicken wie Telekom-Chef Boris Nemsic oder ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz.

Casinos-Chef Karl Stoss und Lotterien-Vorstand Friedrich Stickler zeigten Verständnis für Firmen mit großen Schwierigkeiten und keiner Lust auf Feiern. Alles in der Krise zu sehen oder den Ball infrage zu stellen, hielt Stickler aber für "schrecklich". Stoss dazu: "Man räumt ja auch nicht die Auslagen leer, wenn das Geschäft schlecht geht."

Den Arbeitstag in die Nacht verlängert hat auch Notenbank-Gouverneur Ewald Nowotny. Als Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) hatte er den Donnerstag in Frankfurt verbracht und wurde auch in der anschließenden Ballnacht in Wien bis zu seinem Aufbruch um 2.00 Uhr in praktisch allen Gesprächen mit den brennenden Themen rund um die Finanzkrise konfrontiert.

VP-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner mahnte: "Den Kopf nicht hängen lassen!" EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner outete sich als Sparefroh. Sie sei auf Einladung von VP-Außenminister Michael Spindelegger hier, werde auch nicht viel essen und habe nur 25 Euro eingesteckt. SP-Bildungsministerin Claudia Schmied wich Fragen nach der wirtschaftlichen Situation eher aus: "Für mich ist es grundsätzlich ein Dienstbesuch, als Verantwortliche für die Staatsoper." Ihre Parteikollegin Verkehrsministerin Doris Bures in pinkfarbener Robe sowie VP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn gaben sich bei der glanzvollen Tanzveranstaltung ebenfalls ein Stelldichein.

Ihre ganz persönliche Krise erlebte Richard Lugners Opernballgast Nicollette Sheridan. Mag die Schauspielerin in der US-Serie "Desperate Housewives" alle möglichen moralischen Fehltritte begangen haben, am Donnerstag hat sie ihre Sünden abgebüßt. Der Tumult der Fotografen bei ihrer Ankunft am Red Carpet hatte beinahe lebensbedrohliche Züge. Dementsprechend eisern blieb die Miene der blonden Mimin. Sobald es ihr Vertrag erlaubte, rauschte Sheridan auch um 0.30 Uhr wieder ab in ihr Hotel.

(APA)

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