Leichen in versteckten Kellern

Die Vertrauenskrise wird so lange anhalten, bis man die Banken zu einer seriösen und wahrheitsgetreuen Darstellung ihre Lage zwingt.

Der Aktienkurs der vor der Verstaatlichung stehenden deutschen Pleitebank Hypo Real Estate ist am Freitag nach Gerüchten über riesige außerbörsliche Risken noch einmal dramatisch abgesackt. Die Bank hat halbherzig dementiert („Das sind nur Derivate zur Absicherung“), dem Kurs hat es nichts geholfen. Denn grundsätzlich traut „der Markt“ den Banken, nicht nur der HRE, momentan alles zu.

Das Problem: Nach den Erfahrungen der letzten Monate sind weltweit sowohl die offiziellen Aussagen der Banken als auch deren Bilanzen völlig wertlos und ohne echten Informationsgehalt. Die Möglichkeit, Schrott außerhalb der Bilanz in – meist in Steuerparadiesen domizilierten – Zweckgesellschaften zu verstecken, von der (übrigens auch von österreichischen Instituten) massiv Gebrauch gemacht wird, lässt bei jeder Gewinnmeldung die bange Gegenfrage aufkommen, welche verborgenen Leichen denn in den außerbilanziellen Kellern in Dublin, Jersey, Antigua und anderen schönen Orten vor sich hin modern. Wir wissen es nicht, denn die Banken – auch die österreichischen – legen das nur offen, wenn es nicht anders geht.

Die Finanzkrise ist in hohem Maß eine Vertrauenskrise. Und die wird so lange anhalten, solange man die Finanzwirtschaft nicht zur seriösen und wahrheitsgetreuen Darlegung ihrer Situation zwingt. Etwa über strengere Bilanzierungsregeln. (Bericht: S. 9)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2009)

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