Nordische Ski-WM: Das Phänomen Schlierenzauer

Gregor Schlierenzauer
Gregor Schlierenzauer(c) EPA (GERO BRELOER)
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Der 19-jährige Tiroler gilt nach zehn Saisonsiegen als einer der Topfavoriten, auch im Springen von der Normalschanze. Er kann Österreichs erstes WM-Gold seit 1991 gewinnen.

LIBEREC/WIEN (dat). Weil Skispringen ein Freiluftsport ist, müssen Wind und Wetter mitspielen, damit der Bewerb stattfinden kann. Dass die Verhältnisse, die bei der Nordischen WM in Liberec vorherrschen, irritieren können, muss auch Gregor Schlierenzauer akzeptieren. Der 19-jährige Tiroler gilt nach zehn Saisonsiegen als einer der Topfavoriten, auch im Springen von der Normalschanze (Samstag, 16, ORF1). Nur: „Auf der kleinen Schanze kommt es besonders auf Haltungsnoten an. Wir springen das ganze Jahr im Weltcup nicht von der Normalschanze. Wenn dir dann der Wind reinpfuscht, ist es schwierig.“

Einzel-Gold ist auch das Ziel von Cheftrainer Alexander Pointner. Während Österreich seit achtzehn Jahren auf einen Skisprung-Weltmeister wartet – Heinz Kuttin gewann in Val di Fiemme 1991 –, fehlt Pointner nur noch dieses Edelmetall, um als Trainer das komplette Medaillen-Set gewonnen zu haben. Er schickt neben Schlierenzauer auch Thomas Morgenstern, Wolfgang Loitzl und Martin Koch ins Rennen.

Serien-Sieger Schlierenzauer ist mit Prognosen vorsichtig, gibt aber zu, dass die Chance, erstmals seit Kuttin wieder die österreichische Hymne nach einem WM-Einzel zu hören, durchaus verlockend ist. Den Skandal von Oberstdorf (Windlotterie, Anm.) und seine gerissene Siegesserie hat er abgehakt, das hatte ja auch sein Trainer von ihm gefordert. Das Selbstvertrauen, welches bei Skispringern einen genauso hohen Stellenwert einnimmt wie die richtige Wahl des Wachses, stimmt wieder.

Was aber macht ihn so überlegen? Nicht nur Innauer findet die Erklärung in seiner Fähigkeit, mit der Luft zu spielen. Dazu kommen eine schier unglaubliche Sprungkraft (75 Zentimeter hoch, aus dem Stand), der absolute Wille und das nötige Risiko. Zum Skispringer ausgebildet wurde „Schlieri“ im Skigymnasium Stams, sein Lehrer war Werner Schuster, der nun den deutschen Skispringern Auftrieb verleiht.

Springen muss Schlierenzauer allein, dass aber alles in seinem Umfeld so perfekt abläuft, verdankt er der Infrastruktur des ÖSV. Dafür hat Innauer gesorgt, und er achtet tunlichst darauf, dass seine Sieger nicht den Boden unter den Füßen verlieren. Daher wurden auch alle Geldfragen vorab geregelt, Schlierenzauers Vater Paul legt das Preisgeld aufs Sparbuch. Als Manager agiert Markus Prock, der ehemalige Rodler ist sein Onkel – Sport und Erfolg wurden also zum Family Business. Was dem Skiflug-Weltmeister noch fehlt, ist Gold bei einer Nordischen WM und Olympia. Dann hätte er sein Vorbild Andreas Goldberger überholt. Er ist auf dem Sprung dazu.

Verpasste Medaillenchancen

Mit einer Enttäuschung endete für das ÖSV-Team die WM-Premiere im Damen-Skispringen. Daniela Iraschko wurde Vierte, Jacqueline Seifriedsberger nur Zwölfte.

Ähnlich erging es den Kombinierern im Massenstart. Christoph Bieler fehlten als Sechster neun Punkte auf eine Medaille. Gold gewann der Amerikaner Todd Lodwick, der erst heuer nach einer Babypause in den Weltcup zurückgekehrt ist, vor Tino Edelmann (D) und Jason Chapuis-Lamis (F).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2009)


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