Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Treffer: Die Macht des Regenwurms

Die beiden Naturforscher trafen einander in London, und zwar nach einem Vortrag über die Bildung der Ackererde, den der Jüngere in der Geologischen Gesellschaft hielt. Er hatte den Einfluss des Regenwurms auf die Erstarkung der Humusschicht in Acker- und Weideböden beobachtet und war dabei zu dem erstaunlichen Resultat gekommen, „dass jedesKörnchen Erde, welches die Erdschichtbildet, von der sich der Rasen erhebt,durch den Darmkanal der Regenwürmerhindurchgegangen ist“.

Das Pflügen des Ackers sei nur eine vergröberte Nachahmung der Regenwurmtätigkeit: Der Mensch erreiche, infolge der „rohen Art und Weise“ seines Tuns, nicht den hohen Effekt der Bodenmischung bis zur völligen Homogenität, wie es der Regenwurm vermag. Der Forscher maß dieser „Bodenbehandlung“ der Regenwürmer hohe Bedeutung zu (und es zeugtvon seiner geistigen Beständigkeit, dass er das Thema in seinen letzten Lebensjahren noch einmal aufgriff).

Er war soeben von einer fünfjährigen Weltreise zurückgekehrt. Seinem angesehenen, um vier Jahrzehnte älteren Forscherkollegen verdankte er viel. Das aufmerksame Studium von dessen Reisebeschreibungen hatte ihm in Südamerika geholfen, das Ganze der Erscheinungen aufzunehmen und gleichzeitig den Sinn für das Spezielle zu schärfen. So gedachte er im letzten Kapitel seines Brasilien-Reisetagebuchs dankbar dieser Hilfe: „Dadie Stärke der Eindrücke allgemein von vorher erlangten Ideen abhängt, so willich noch hinzufügen, dass meine den lebendigen Beschreibungen in seiner Reiseschilderung entnommen waren.“

Die persönliche Begegnung mit dem berühmten Mann, dessen nicht minder namhafter Bruder – ein Sprachwissenschaftler, Geschichtsphilosoph und Politiker – übrigens zwei Jahre zuvor gestorben war, scheint dann eher ernüchternd verlaufen zu sein. „Ich war in Bezug auf diesen großen Mann etwas enttäuscht.“ Er fand ihn „sehr gemütlich“, nur redeteer ihm etwas zu viel.

In das Jahr der Begegnung fallen die ersten Notizen, die der Jüngere für sein evolutionstheoretisches Hauptwerk über die „Entstehung der Arten“ anfertigte, mitdem eine vollkommen neue Epoche der Naturforschung anbrach. Es ist im Todesjahr des Älteren erschienen. ■


Wer traf wen? Unter welchem Titel erschienen die Reisebeschreibungen des Älteren? Wie hieß sein Bruder?

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2009)