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Türken: Sündenbock und Problemfall

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Eine deutsche Integrationsstudie, die speziell bei türkischen Zuwanderern auch in der zweiten und dritten Generation massive Integrationsprobleme ortet, wird auch in Österreich bestätigt.

WIEN. Angst um den Arbeitsplatz und Wirtschaftskrise: Das sind derzeit die alles beherrschenden Sorgen der Österreicher, wie Umfrageinstitute bestätigen. Sie haben auch das stets virulente Ausländerthema – trotz heftiger Diskussion um demokratiefeindliche Tendenzen von Islamlehrern in Österreich – in den Hintergrund gedrängt. Aber je länger die Wirtschaftskrise dauere, desto eher werde die Suche nach Sündenböcken beginnen, befürchten Peter Ulram (Fessel-GfK) und Wolfgang Bachmayer (OGM). Das sind dann nicht nur Bankmanager – sondern zum Beispiel auch Türken.

Und hier scheint es tatsächlich ein Problem zu geben. Die deutsche Integrationsstudie, die vor Kurzem speziell bei türkischen Zuwanderern auch in der zweiten und dritten Generation massive Integrationsprobleme ortet, wird auch in Österreich bestätigt. Laut Ulram gibt es zwar auch innerhalb der ethnischen Gruppe riesige Unterschiede: Türken, die schon vor 20Jahren einwanderten, sind gut integriert, da herrschte noch starker Anpassungsdruck. Doch bei denen, die danach kamen, zeige sich laut jüngsten Fessel-Studien wachsende „Isolationstendenz“ – weil es leicht ist, innerhalb der eigenen Subkultur zu bleiben und zum Beispiel nur türkische Medien zu konsumieren. „Ein Viertel bis ein Drittel sind in keiner Weise integriert, extrem konservativ. Da gibt es keinen Unterschied zwischen jenen, die in Österreich oder in der Türkei geboren sind“, sagt Ulram.

Vor allem für den Wahlkampf in Wien im Jahr 2010 werde die politische Auseinandersetzung darüber wohl „grauslich“, glaubt Ulram. Erwartet wird allgemein, dass die FPÖ davon profitieren wird. Bundesweit sind ihre Werte aber in den letzten zwei Monaten wieder leicht – auf ihr Nationalratswahlergebnis (17,5 Prozent) – zurückgegangen. Die SPÖ liegt bei der „Sonntagsfrage“ laut Fessel übrigens weiterhin vorne (mit 33bis 34 Prozent), gefolgt von der ÖVP (31bis 32 Prozent), die Grünen stagnieren.

Bei Migranten (die überwiegend in Arbeiterberufen tätig sind, nur Türken gründen überdurchschnittlich oft ein Unternehmen) hat die SPÖ deutlich die Nase vorn, in Wien liegen laut Günther Ogris (Sora) die Grünen an zweiter Stelle, bundesweit sieht Fessel die FPÖ bereits an zweiter Stelle. Strache warb bei der letzten Wahl augenfällig um Serben. Leitartikel, Seite 27

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2009)