Jungwirth nicht mehr ÖOC-General

Jungwirth
Jungwirth(c) GEPA pictures (GEPA pictures/ Josef Bollwein)
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Nach einem Gespräch mit Leo Wallner bot Heinz Jungwirth seinen Rücktritt an, der ÖOC-Vorstand nahm diesen "einstimmig" an. Nun dürfte Ruhe einkehren.

WIEN. „Ich habe kein Vertrauen mehr zu Heinz Jungwirth. Ich bin für einen Generationswechsel im ÖOC!“ Sportminister Norbert Darabos, der sich zuletzt vehement für eine externe Prüfung der Bücher des Österreichischen Olympischen Komitees eingesetzt hatte, um detailliert Aufklärung über die Verwendung von Steuer- und Fördergeldern zu erhalten, ließ mit dieser Aussage bereits vergangene Woche aufhorchen. Der medial seit geraumer Zeit unter Beschuss stehende Generalsekretär geriet weiter unter Druck, die Zweifel an seiner Person und seiner Arbeit wuchsen. Am Samstag suchte Jungwirth das Gespräch mit Präsident Leo Wallner und bat darum, seinen am 28. Februar auslaufenden Vertrag nicht mehr zu verlängern. Wallner brachte diese Bitte am Sonntag bei der ÖOC-Vorstandssitzung in Wien vor – sie wurde „einstimmig“ angenommen.

Ohne mediale Hilfe machtlos

Mit dem Rücktritt kam Heinz Jungwirth vermutlich anderen Schritten zuvor. Seine Arbeit wurde ebenso hinterfragt wie sein Privatleben durchleuchtet. Fotos von seinem Haus oder dem Pferdestall wurden veröffentlicht und der Versuch unternommen, ihn mit 150.000 Euro, die im Laufe der Salzburger Olympia-Bewerbung verschwunden waren, in Verbindung zu bringen. Während der Staatsanwalt nur gegen die Geschäftsführer der Salzburg 2014 GmbH ermittelt – für sie gilt die Unschuldsvermutung –, ließ es Jungwirth ließ mit sich geschehen anstatt selbst über die Medien in die Offensive zu gehen, so hatte es der seit 1982 im ÖOC aktive „General“ stets gehandhabt. Das ÖOC verschickte nur E-Mails und Dementis, profundes Krisenmanagement sieht in der Gegenwart aber anders aus. Vor allem aber hatte der ehemalige Turn- und Geschichtslehrer den wichtigsten Punkt übersehen: Ihm einst gut gesinnte Zeitungen und Sponsoren hatten die Seiten gewechselt.

Seit den Spielen von Turin, den lebenslangen Sperren gegen Betreuer (siehe Artikel links) und dem endgültigen Zerwürfnis mit ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel hatten Jungwirths Gegner auf die passende Gelegenheit gewartet. Auch dürfte sich im ÖOC-Vorstand eine Allianz gegen den auch im Reitsportverband aktiven Jungwirth gebildet haben. Am Wochenende musste der 57-Jährige also selbst die Notbremse ziehen, um nach 27 Dienstjahren nicht „zurückgetreten“ zu werden. Die Entscheidung, so viel sickerte durch, soll ihm „immens schwer gefallen“ sein, doch seiner Familie zuliebe und im Sinne einer zukunftsorientierten Arbeit des ÖOC entschloss sich der vielerorts tätige (Bundessport-Organisation,, Sporthilfe, Anti-Doping-Komitee) Funktionär für den Rückzug. Damit sollte nun Ruhe einkehren, sagte ein Mitglied des ÖOC-Vorstandes zur „Presse“.

Wallner: „Er wollte nicht mehr“

Als Interimslösung wurde Matthias Bogner, bislang Sportdirektor im Olympia-Komitee, mit der Gebarung der Geschäfte beauftragt. Die Suche nach einem Nachfolger habe erst am Sonntag begonnen, fügte die nicht genannt werden wollende ÖOC-Quelle hinzu. Man sei schlichtweg von den „Ereignissen überrollt“ worden, einen geeigneten Mann (oder doch eine Frau?) könne man ja nicht so einfach aus dem Hut zaubern.

Für die Schaffung neuer Strukturen und den – von Darabos geforderten – zu überarbeitenden Satzungen (Geschäftsordnung inklusive) wird eine Arbeitsgruppe unter dem Vorsitz von Herbert Hübel eingesetzt, kündigte Wallner in einer schlichten Aussendung an. Wenig später sagte er der Austria Presse Agentur: „Jungwirth ist auf eigenen Wunsch ausgeschieden. Ich hatte das Gefühl, dass er nicht mehr wollte. Diesen Druck habe er sich nicht verdient, wie er sagt. Ich hoffe, dass er das berechtigterweise sagt.“ Lobende Abschiedsworte klingen anders.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2009)

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