Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Schweizer Bankgeheimnis wackelt: Privatbankiers zittern

Symbolbild: Schweizer Banken
(c) AP (Alessandro Della Valle)
  • Drucken

Bei einem Wegfall des Bank-Geheimnisses könne der Schweizer Bankensektor um die Hälfte schrumpfen, warnen Schweizer Privatbankiers. Sie attackieren britische und US-"Steuersümpfe".

Die Schweizer Privatbankiers fürchten ein Wegfallen des Bankgeheimnisses. Ivan Pictet, Präsident des Schweizer Verbandes "Finanzplatz Genf", sieht seine Branche angesichts der Diskussion um das Bankgeheimnis existenziell bedroht. Der Bankensektor könne bei einem Wegfall der Regel um die Hälfte schrumpfen, sagte er der Zeitung "Le Temps" von Dienstag.

"Der Finanzsektor würde dann nicht mehr 12 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, sondern nur noch 6 bis 7 Prozent ausmachen." In Gefahr sieht er die Unterscheidung zwischen Steuerhinterziehung und Steuerbetrug: Bei ersterer gilt das Bankgeheimnis, bei letzterem nicht. Sollte die Unterscheidung verschwinden, hätten die Schweizer Banken nichts mehr anzubieten. Um den Kunden anzuziehen, "müssen wir ihm etwas bieten, was er bei sich nicht bekommt", sagte der Privatbankier.

Kritik auch an USA und Großbritannien

Die Vereinigung Schweizer Privatbankiers hat die Kritik der USA, Großbritanniens und anderer EU-Staaten am Schweizer Bankgeheimnis scharf zurückgewiesen. Großbritannien verheimliche "die eigenen Trusts auf den britischen Kanal- und Karibikinseln", erklärte Verbandspräsident Konrad Hummler am Dienstag. Die USA forderte er auf, zuerst die "sumpfigen Verhältnisse der amerikanischen Finanzplätze Delaware und Florida" auszutrocknen.

Das Schweizer Bankgeheimnis und Steuerfragen müssten zur Debatte gestellt werden, räumte Hummler ein. Es sei jedoch "brandgefährlich, dies übermäßig zu moralisieren".

Schweiz streitet mit USA über Bankgeheimnis

Die Schweiz streitet derzeit mit den USA über das Bankgeheimnis: Die US-Steuerbehörde IRS fordert von der Großbank UBS die Herausgabe der Daten von 52.000 Kunden, die mit Hilfe der Bank Steuern hinterzogen haben sollen. Zuvor hatte die UBS bereits eingewilligt, wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Steuerhinterziehung umgerechnet knapp 620 Mio. Euro an die US-Behörden zu zahlen. Zudem nannte sie die Namen von 250 bis 300 US-Kunden.

Die 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G-20) wollen auf ihrem Gipfel Anfang April in London über die Austrocknung von Steueroasen beraten. Auch Deutschlands SPD-Finanzminister Peer Steinbrück hatte mehrmals scharfe Kritik an der Schweiz geübt.

(Ag.)