Schaeffler bereitet Rückzug vor

(c) AP (Thomas Kienzle)
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Die Eigentümer-Familie des Zulieferers wird Mehrheit am Konzern abgeben müssen. Mit zehn Milliarden Euro steht Schaeffler bei verschiedenen Banken in der Kreide.

Wien (jaz/Reuters). Sie haben hoch gepokert – und verloren. Am Dienstag musste die bayerische Industriellenfamilie Schaeffler endgültig ihr Scheitern eingestehen und erklärte, dass sie bereit ist, 75 Prozent ihrer Unternehmensanteile am Autozulieferer abzugeben. Schaeffler hatte im Vorjahr den wesentlich größeren Continental-Konzern geschluckt und sich dabei finanziell derart stark übernommen, dass nun die Gefahr einer Insolvenz droht.

Mit zehn Mrd. Euro steht Schaeffler bei verschiedenen Banken in der Kreide. Nur knapp vier Mrd. Euro davon kann das Unternehmen derzeit besichern. Wenn Schaeffler dies nicht bis zur Jahresmitte ändert, übernehmen die Banken die Kontrolle im Unternehmen. Aller Voraussicht nach dürften die Kreditinstitute Schaeffler in der Folge zerschlagen und scheibchenweise an Konkurrenten und andere Investoren verkaufen.

Dieses Szenario versucht die Eigentümerfamilie, allen voran die in Wien aufgewachsene Maria-Elisabeth Schaeffler, mit ihrem jüngsten Vorstoß zu verhindern. Sie will durch den kontrollierten Rückzug auf die Sperrminorität (25,01 Prozent) den finanziellen Druck auf das Unternehmen verringern und gleichzeitig genügend Macht behalten, um die Zerschlagung des Firmenkonglomerats zu verhindern.

Mitsprache für die Mitarbeiter

Allerdings ist auch dieser Plan alles andere als wasserdicht. Laut einem Firmensprecher könnte sich die Familie im Notfall auch mit weniger als 25 Prozent und einer Aktie zufriedengeben, wenn es zu keiner Einigung mit den Banken kommen sollte.

Hilfe wünscht sich Schaeffler weiterhin vom Staat. Am Montag räumte das Unternehmen den Mitarbeitern weitreichende Mitbestimmungsrechte ein – beispielsweise soll der Aufsichtsrat künftig paritätisch mit Kapital- und Arbeitnehmervertretern besetzt sein. Bislang war das bei Schaeffler nicht der Fall, da das Unternehmen als Kommanditgesellschaft organisiert ist und daher nicht den verpflichtenden Vorgaben für Aktiengesellschaften unterliegt.

Von der mächtigen Gewerkschaft IG Metall wurde eine stärkere Mitbestimmung der Arbeitnehmer als Grundvoraussetzung für staatliche Hilfe gefordert. Eine Forderung, die vor allem bei den SPD-Ministern der deutschen Bundesregierung Gehör gefunden hat. Vor allem Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) und Arbeitsminister Olaf Scholz (SPD) lehnen bislang jegliche staatliche Hilfe für Schaeffler ab.

Ein entscheidender Grund dürfte auch die negative Stimmung in den deutschen Medien sein. Vor allem der Boulevard hat sich auf die Unternehmenschefin eingeschossen, nachdem sie sich im Jänner erstmals staatliche Hilfe gewünscht hatte und wenig später bei einer Feier am Rande der Hahnenkammrennen in Kitzbühel mit Champagnerglas und Pelzmantel gesehen worden war.

Schaeffler ging mit dem Übernahmeangebot für Conti im Sommer 2008 ein hohes Risiko ein, hatte gleichzeitig aber auch viel „zeitliches Pech“. Das Übernahmeangebot von 75 Euro je Aktie lief nämlich genau zu jenem Zeitpunkt, als die Börsen global drastisch einzubrechen begannen. Daher verkauften viele Conti-Aktionäre ihre Papiere an Schaeffler zu einem Zeitpunkt, als diese an der Börse nur noch 30 Euro wert waren. Schaeffler musste die Aktien weit überteuert kaufen und konnte daher die Kredite nicht mehr entsprechend besichern.

Auf einen Blick

Der Autozulieferer Schaeffler hat sich mit dem Kauf von Continental übernommen. Um den vollständigen Verlust zu verhindern, will sich die Eigentümerfamilie nun „kontrolliert“ auf eine Sperrminorität zurückziehen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.02.2009)

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