Minensucher spürt Amundsen nach

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Die norwegische Marine rückt mit Hightech aus, den „Volkshelden“ zu bergen.

In den letzten großen Entdeckerzeiten, zu Beginn des 20.Jahrhunderts, als es um Arktis und Antarktis ging, waren harte Konkurrenten unterwegs, die zudem in politisch unübersichtlichen Gewässern operieren mussten, der Norweger Roald Amundsen etwa und der Brite Robert Scott: Sie nahmen 1910 den Wettlauf um die Erstbegehung des Südpols auf, Amundsen tarnte sein Unternehmen – gegenüber seiner Regierung und den eigenen Expeditionsmitgliedern –, er fürchtete diplomatische Verwicklungen von Norwegen und Großbritannien. Natürlich tarnte er es auch vor Scott.

Aber dann schickte er von unterwegs ein Telegramm an Scott – „Beg have to inform you, Fram (Amundsens Schiff) proceeding Antarctic“ –, Fairness gehörte schon dazu. Scott hetzte hinterher, er verlor, erst das Rennen, dann das Leben. Amundsen war als erster am Südpol (14.12.1911), vielleicht war er später auch als erster am bzw. über dem Nordpol, diesmal mit der Hilfe eines anderen Kollegen/Konkurrenten, des Italieners Umberto Nobile, gemeinsam flogen sie im Mai 1926 in dem von Nobile konstruierten Luftschiff „Norge“ über den Pol.

Bei Rettungsaktion verschollen

Im Mai 1928 flog Nobile wieder über den Pol, diesmal mit der „Italia“, sie stürzte bei Spitzbergen ab, die Mannschaft überlebte auf einer Eisscholle, konnte einen Notruf absetzen, eine internationale Rettungsaktion begann. Sie endete erfolgreich, aber nicht für alle Beteiligten: „Right away“, sagte Amundsen, als er gefragt wurde, ob er teilnehmen wolle.

Es sind seine letzten öffentlich bekannten Worte. Amundsen startete am 18.Juni 1928 mit einem – vermutlich überladenen – Flugboot des Typs Latham47, auch das stürzte ab, irgendwo bei der Bäreninsel in der Arktis. Wo, weiß man nicht, man fand das Flugzeug nie, man fand Amundsen nie. Aber man will ihn finden: Die norwegische Marine rückt nach einem Fehlversuch von 2004 neuerlich aus, um den „Volkshelden“ heimzuholen, mit zwei Schiffen voller Hightech-Material, vor allem dem Tauchroboter „Hugin“, der im Militärleben der Suche nach extrem kleinen Minen dienen soll. „Amundsen war eine Legende, und wir werden das Beste tun, um das Flugzeug zu finden“, erklärte der Chef der Marinelogistik, Kommandeurkapitän Frode Løseth: „Es ist ganz klar möglich, die Latham zu finden, aber die Kunst wird sein, das richtige Suchgebiet zu finden. Wenn wir das finden, finden wir auch die Latham. So einfach ist das.“

So sieht das auch Amundsens Urgroßneffe Nicolay Jacobsen, der es „fantastisch“ findet, dass die Marine ihn zur Suchaktion eingeladen hat, und der „einen guten Glauben an einen Erfolg“ hat, auch wenn der „Auftrag sehr kompliziert“ ist (www.mil.no).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2009)

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