Ski alpin: Als wären die Alpen auf den Balkan übersiedelt

(c) EPA (Georgi Likowski)
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Nach 25 Jahren kehrt der Weltcup mit drei Damen-Speedbewerben nach Bulgarien zurück.

BANSKO. 25 Jahre ist es her, dass der Skiweltcup zuletzt in Bulgarien zu Gast war. Peter Popangelow war damals ein berühmter Mann. Heute sind Bulgariens Skiresorts bekannter als die Skifahrer. Georgi Georgjew liegt im Gesamtweltcup auf Rang 123. Nur sein Teamkollege, der Austrobulgare Kilian Albrecht, rangiert als 101. besser. Während sich die Bulgarinnen heuer überhaupt noch nie in die Weltcup-Punkteränge fanden, fand die internationale Elite der Speeddamen den Weg nach Bansko, wo am Freitag (11.20 Uhr, ORF1) und Samstag Abfahrtsläufe warten und Sonntag ein Super-G ausgetragen wird.

Bansko, im gut zwei Autostunden südlich von Sofia am Fuße des zum Unesco-Weltkulturerbe zählenden Nationalparks „Piringebirge“ gelegen, ist das Flaggschiff des Wintertourismus am Balkan. Seit ein Joint Venture unter Führung der Julen AG 2001 die Konzession für die Bewirtschaftung des Resorts für 30 Jahre zugesprochen bekommen hat, rollt der Lewa. Umgerechnet rund 50 Millionen Euro, sagt der Bürgermeister der 8000-Einwohner-Stadt Bansko, Alexandar Krawarow, wurden allein in den ersten fünf Jahren des Joint Venture investiert.

Mittlerweile bietet Bansko annähernd jene Infrastruktur, die von Skiorten in den Alpen bekannt ist – bloß mit einer Vielzahl an Baustellen garniert: Unterkünfte von Hotels bis Appartements, jede Menge Restaurants und ein attraktives Angebot für Après-Ski. 24 Aufstiegshilfen, 70 Kilometer Piste, Schneekanonen, Flutlichtanlage, Fun-Park und dank der Höhenlage jede Menge Gelegenheiten für Fahrten durch das freie Gelände. Die Preise sind – zumindest für die Liftkarten – moderat: 25,50 Euro kostet der Tages-, 145 Euro der Sechs-Tages-Pass.

Belohnt wird das Engagement der Touristiker mit jährlichen Wachstumsraten zwischen 15 und 20 Prozent: Im Winter 2007/08 haben gut 2,3 Millionen ausländische Gäste 970 Millionen Euro in Bulgarien ausgegeben: 430.000 Rumänen liefen den Griechen (410.000) den ersten Rang ab, dahinter folgten Deutsche (200.000) und Briten (150.000). Aus Österreich reisten 32.000 Gäste an, beinahe ein Viertel mehr als im Jahr davor. In Bansko selbst aber dominieren die Briten das Bild. Für sie scheint die Balkandestination mindestens so attraktiv zu sein wie die Alpen oder Pyrenäen. Daneben zieht es die Russen nach Bansko. Sie haben immerhin keine Probleme, die kyrillischen Schriftzeichen zu dechiffrieren.

Allerdings läuft nicht alles immer friktionsfrei: 2007 ereignete sich eine Farce um die Konzessionsvergabe für das Resort Vitoscha vor den Toren Sofias. Zwei Konsortien mit annähernd identer Eigentümerstruktur lieferten sich ein totes Rennen.

Hotellerie und Handel jubeln

Mittlerweile gibt es zehn große Skizentren in Bulgarien, die heuer den bislang größten Zustrom erleben. Blagoy Ragin, Chef der bulgarischen Hoteliersvereinigung, definiert das Zielpublikum: Gäste zwischen 20 und 45 Jahren, die mit einer Kombination aus Ski und Spa angelockt werden sollen. Unterstützt wird dies durch Werbeträger wie Marc Girardelli. Der Wahl-Luxemburger war übrigens maßgeblich daran beteiligt, dass der vom ÖSV ausrangierte Kilian Albrecht seit 2006/07 für Bulgariens Verband starten darf.

Der Tourismus kurbelt natürlich auch den Handel an: „In den vergangenen drei, vier Jahren erlebte der Skihandel ein kontinuierliches Wachstum zwischen zwei und fünf Prozent“, sagt Christian Mann von Intersport Österreich. Diese Zahlen würden im Übrigen für den gesamten osteuropäischen Markt gelten. Im Vergleich dazu sind auf dem österreichischen Skimarkt kaum Zuwächse möglich. Die Wirtschaftskrise könnte diesen Trend aber stoppen.

Das Weltcupgastspiel soll einen langfristigen Effekt haben. Die Veranstalter wollen die Sportwelt überzeugen, dass das Land reif für ein Großereignis ist. Sofia hat sich für die Olympischen Winterspiele 1992 und 1994 beworben, ist damals aber an Albertville und Lillehammer gescheitert.

Apropos Weltcup: Andrea Fischbacher lieferte in beiden Abfahrtstrainings Bestzeiten und geht heute als Favoritin ins Rennen. Überschattet waren die Testläufe auf der Banderitza-Piste von Stürzen von Elisabeth Görgl, Anja Pärson und der Weltcup-Leaderin Lindsey Vonn.

AUF EINEN BLICK

1981 und 1984 waren die alpinen Skiherren im bulgarischen Borovets zu Gast. Am Wochenende bestreiten die Damen in Bansko heute, Freitag (11.20 Uhr/ORF1), und Samstag jeweils ein Abfahrtsrennen und am Sonntag einen Super-G.

Die Skiherren tragen derweil in Kranjska Gora einen Riesentorlauf (Samstag) und einen Torlauf (Sonntag) aus.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.02.2009)

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