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Sucht an der Uni: Unter Drogen zur Klausur

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Aufputschmittel werden von Studenten immer häufiger zur Leistungssteigerung eingesetzt. Am beliebtesten sind jedoch Haschisch und Marihuana: Jeder Zehnte raucht regelmäßig.

Eine Pille gegen die Prüfungsangst, ein Joint zur Entspannung oder ein Pulver, mit dem man nächtelang konzentriert durcharbeiten kann: Studenten, die zu Drogen greifen, um (vermeintlich) ihre Leistung zu steigern, die gibt es. Wie viele genau, das wisse man jedoch nicht, sagt Roland Reithofer von der Wiener Drogenberatungsstelle „Check it“. Denn Studenten, die während der Prüfungszeit Drogen wie Kokain oder „Speed“ nehmen, kämen selten zu „Check it“.

Die Dunkelziffer sei aber „sehr hoch“, sagt Reithofer. Wieso Studenten eher nicht nach professioneller Hilfe suchen, dafür kann er sich zwei Gründe vorstellen: Einerseits würde ein Teil der Studenten, die ihre Leistung mit psychoaktiven Substanzen steigern wollen, nach einer „Experimentierphase“ aufhören, ohne wirklich abhängig zu werden. Andererseits bedeute es, dass es einen sehr hohen Leidensdruck der Betroffenen brauche, um Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen. Oder in anderen Worten ausgedrückt: Niemand will wirklich zugeben, dass er Drogen nimmt, um durch das Studium zu kommen.

 

Motiv: Leistungsdruck

„Meine Eltern machen Druck und erwarten Studienerfolg“, erklärt ein Studierender, der anonym bleiben will, seine Gründe für den Drogenkonsum. „Ich bin nicht zufrieden mit der Studienwahl, aber schon im zweiten Studienabschnitt. Ich wollte nicht mehr wechseln“, sagt ein anderer.

Diese zwei Erklärungen hat Reithofer schon oft gehört. Druck von zu Hause und ein Studium, das nicht passt, seien die häufigsten Gründe, wieso junge Menschen zu leistungssteigernden Drogen greifen.

Viel öfter als während des Lernens konsumieren Studenten psychoaktive Substanzen allerdings in ihrer Freizeit. „Drogen werden eher dazu benutzt, um vom Stress herunterzukommen“, erklärt Reithofer. Während der Woche steht die Leistung im Vordergrund, am Wochenende wird dann „die Sau rausgelassen“. Doch die Grenzen sind fließend. Manche Studenten, die anfangs nur am Wochenende zu Pillen und Pulvern greifen, tun das irgendwann auch im Studienalltag.

„Ich habe Amphetamin ursprünglich zum Spaß beim Weggehen konsumiert. Dann eher nur mehr zur Leistungssteigerung, um länger zu lernen“, sagt ein Studierender. „Das funktioniert eine Zeit lang, dann ist es eher hinderlich.“ Das Amphetamin habe ihn „unkonzentriert und launisch, fahrig, nervös“ werden lassen, statt die Leistung zu steigern.

Drogen und Medikamente zum Lernen zu nehmen, das nennt man an amerikanischen Universitäten „Pharming“. Genaue Zahlen über diese Art des Drogenkonsums gibt es auch dort nicht. Geschätzte sieben Prozent der US-Studenten nehmen Arzneimittel, die die Leistung steigern. An manchen Universitäten sollen es sogar bis zu 25 Prozent sein.

Besonders beliebt sind die Medikamente Ritalin und Adderall (Amphetamine). Sie sollten eigentlich gegen Aufmerksamkeitsstörungen und Hyperaktivität bei Kindern helfen. Bei gesunden Menschen wirken Methylphenidate, die Wirkstoffe in Ritalin, ähnlich wie Kokain auf das Hirn. Der Vorteil gegenüber Kokain: Es macht erst in extrem hohen Dosen und nach längerem Missbrauch abhängig.

Die Zahl derer, die regelmäßig in den Pillenschrank greifen, nimmt jedoch zu. An die 20.000 Menschen sterben in den USA jährlich an Medikamentenmissbrauch. Vor zehn Jahren waren es nur halb so viele. An die Medikamente zu kommen ist denkbar einfach: Viele Studenten bekommen sie vom Arzt verschrieben – ganz legal.

Drogen auf Rezept, das komme in Österreich eher selten vor, sagt Reithofer. Hierzulande ist Adderall nicht auf dem Markt, Ritalin braucht eine Suchtgiftverschreibung. Die Droge Nummer eins unter den Studenten ist der Alkohol. Mehr als ein Fünftel der Studenten betreiben erheblichen Alkoholmissbrauch, ergab eine Studie, die der Drogenexperte und Psychologe Salvatore Giacomuzzi 2007 an der Universität Innsbruck durchführte. 2,5 Prozent der Studierenden griffen gar täglich zur Flasche, 1,8 Prozent sind alkoholabhängig. Männer trinken öfter als Frauen, heißt es in der Studie. Aber auch Pillen konsumieren Studenten regelmäßig: Mehr als 28 Prozent der Befragten gaben an, mindestens einmal im Monat Schmerzmittel zu nehmen.

 

2,2 Prozent nehmen Kokain

Anders als in Wien gibt es in Innsbruck jedoch auch Zahlen zum Konsum von verbotenen Substanzen. Die Liste der illegalen Drogen führt Hanf an: 11,1 Prozent der Innsbrucker Studenten konsumieren mindestens einmal im Monat Marihuana oder Cannabis. Dahinter folgen Halluzinogene (2,4 Prozent) und Kokain (2,2 Prozent).

Ein Konsumtrend lasse sich unter Österreichs Schülern und Studenten deutlich ablesen, sagt Reithofer. Wenn sie zu Drogen greifen, dann nehmen sie sehr viel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2009)