Nordische Ski-WM: Siegertypen, Mitläufer und Spaziergänger

Thomas Morgenstern, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer and Wolfgang Loizl
Thomas Morgenstern, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer and Wolfgang Loizl(c) EPA (Franck Robichon)
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Das Skispringer-Team erfüllte alle Erwartungen, Wolfgang Loitzl avancierte in Liberec sogar zum erfolgreichsten WM-Springer aller Zeiten. Die Langläufer und Kombinierer enttäuschten.

Karel Gott, der die Nordische WM in Liberec 2009 mit seiner goldenen Stimme begleitet hat, kann es ab heute wieder etwas ruhiger angehen. Das Großereignis ist Geschichte und viele seiner Überraschungen, etwa Japans Kombinierer und Skispringer (Gold und Bronze), befinden sich bereits auf ihrer Heimreise einmal um die ganze Welt. Und die Taschen voller Geld haben trotzdem nur die Norweger, die zum Sieger der WM wurden mit zwölf Medaillen und dem Triumph in der Gesamtwertung. Dass man keine Liebe und kein Glück versäumt, dessen sind sich Österreichs Skispringer nicht erst seit Liberec gewiss, mit zwei Goldmedaillen und einer Silbernen retteten Loitzl, Schlierenzauer und Co. immerhin die Ehre des ÖSV. Viele fremde Länder seh'n, auf dem Mond spazieren geh'n könnten hingegen bald einige ÖSV-Trainer. Denn Langläufer und Kombinierer enttäuschten auf ganzer Linie – sie blieben ohne Medaille. Wenn man nur als Kind schon wüsste, was man tun und lassen müsste...

Drei Medaillen hatte ÖSV-Direktor Anton Innauer gefordert, drei hat er auch bekommen. Wolfgang Loitzl gewann auf der Normalschanze und mit der Mannschaft Gold. Damit avancierte der stille Bad Mitterndorfer zum erfolgreichsten WM-Springer aller Zeiten. Er hat insgesamt sechsmal Gold (zwei in Lahti 2001, zwei in Oberstdorf 2005, Liberec 2009) erobert und damit Allzeitgrößen wie Janne Ahonen, Matti Nykänen (beide FIN) oder Birger Ruud (NOR) hinter sich gelassen. Was vor Saisonbeginn als undenkbar galt, wurde mit dem Tourneesieg und der WM fassbare Wirklichkeit.

In der Loipe chancenlos

Der 19-jährige Tiroler Gregor Schlierenzauer hat mit Gold und Silber sein Plansoll erfüllt, auf der Großschanze torpedierten nur Wind, Schnee und Jury weiteres Edelmetall mit einem (fragwürdigen) Abbruch. Thomas Morgenstern konnte seine groß angekündigten WM-Pläne nicht umsetzen, ein Sturz kostete einen Podestplatz. Nur mit der Stärke der Mannschaft erreichte er sein Ziel.

Unfassbares leistete sich die Langlauf-Truppe von Trainer Bernd Raupbach. Katerina Smutna, als einzige Österreicherin am Start, gab wie schon 2007 in Sapporo während eines WM-Rennens auf. Die Sprinter Harald Wurm, Martin Stockinger und Manuel Hirner waren konditionell nicht in der Lage mitzuhalten. Obwohl es einer Bankrotterklärung gleichkam, war es aus ÖSV-Sicht nachvollziehbar, auf den Team-Sprint zu verzichten. Christian Hoffmann lief über 50 Kilometer auf Platz 25.

ÖSV-intern rasseln angesichts der Gesamtvorstellung bereits die Säbel. So hätten diese Athleten auch bei den Winterspielen 2010 in Vancouver nichts verloren, stellen Kritiker klar. Über ihre Entsendung ist tatsächlich nachzudenken, das ÖOC benötigt ohnehin für Biathleten, deren (noch gesperrte) Betreuer und Ärzte ein größeres Kartenkontingent...

Schlecht kombiniert

Auch die Nordischen Kombinierer verfehlten bei dieser WM ihre Zielsetzungen klar. Cheftrainer Alexander Diess blieb es nach Sapporo auch in Liberec verwehrt, eine Medaille zu feiern. Sein Job hängt an einem seidenen Faden, denn zu groß war der Formverlust und der damit verbundene Abstand auf die Podestplätze, den Christoph Bieler oder Mario Stecher aufzuweisen hatten. Das Warum wird Anton Innauer bis zum Saisonende genau analysieren. Ohne personelle Veränderungen aber scheint ein Trendwechsel nur schwer möglich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.03.2009)

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