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Breitenfurt: Frage der Perspektive

Von wild bewachsenen Grundstücken, Kameraflügen und Bachläufen: Robert John, Gründer von Geopic, über den Bau und das Leben in seinem Haus in Breitenfurt.

Das helle, große Haus in Breitenfurt hat so ziemlich alles, was man heutzutage an modernen Tools erwarten kann: Mittels Erdwärme wird geheizt und für Warmwasser gesorgt, die elektrischen Leitungen sind an ein Bussystem angeschlossen – je nach Stimmung und auf Knopfdruck werden Jalousien und Leuchten gesteuert. Was man aber vergebens sucht: Solarpaneele auf dem Dach. „Das ist eine Frage der Perspektive“, schmunzelt Robert John, der mit seiner Frau Nina seit knapp sechs Jahren dort lebt. Seine Firma Geopic beschäftigt sich unter anderem nämlich damit, Häuser und Wohnanlagen für Imagefilme in Szene zu setzen. Dabei kommen – so erlaubt – auch Kameradrohnen zum Einsatz, die ungewöhnliche Perspektiven von oben liefern. „Wenn man dann auf Bilder blickt, wie sie sonst nur Vögel zu sehen kriegen, ändert das etwas. Ich finde, dass Solarpaneele das Stimmungsbild beeinträchtigen. Selbst auf dem Dach.“

Am Beginn nur Wildwuchs

Unter dem Dach dann ist das Haus mit rund 210 Quadratmetern Wohnfläche großzügig auf drei Ebenen angelegt, im ausgebauten Keller ist der Arbeitsplatz von John angesiedelt. Im Vorraum des Erdgeschoßes ist sogar genügend Platz für Räder, auf der Wohnebene, mit Essplatz und Küche, sorgen viel Glas und ein Wintergarten für eine freundliche Atmosphäre, viele Holzelemente und eine Feuerstelle für gemütliche Stimmung. Die Fassade des Wintergartens zieht sich optisch bis in die Galerie im Obergeschoß, von der man dank reduzierter Einrichtung ungestört den Blick über das Grün schweifen lassen kann.

Als die Johns das Grundstück fanden, sah es dort ganz anders aus, „nämlich total arg. Ein alter Keller, eine alte Hütte, totaler Wildwuchs. Es war schwer, sich darauf einen großen, hellen Bau vorzustellen.“ Doch die schöne Lage in der hügeligen Landschaft, mit viel Natur rundherum zum Sporteln und Mountainbiken, überzeugte die beiden, sich nach langer Suche nach dem passenden Bauplatz in der ruhigen Gegend am Rand Breitenfurts anzusiedeln. Dass ein Bach im Grundstückspaket inkludiert war, begeistert das Ehepaar damals wie heute. „Das ist einfach wunderschön, malerisch.“ Aber als es ans Planen ging, ans Überlegen, wie das Haus auf den Grund kommen sollte, wurde es kompliziert. Genauer: „Bautechnisch ist so etwas eine Katastrophe“, schüttelt es John noch bei der Erinnerung. Der Bach musste überbrückt, teilweise mit Schotter aufgefüllt, Rampen installiert werden, damit mit dem Kran die einzelnen Hausteile an ihren vorbestimmten Platz gerückt werden konnten. „Es war ein enormer logistischer Aufwand“, erzählt der Unternehmer. Baufirma und -herr mussten nicht nur mit dem Wasserlauf zurande kommen, sondern auch mit der Koordination der Sattelschlepper – „und das in einer Sackgasse“.

„Man schafft alles“

Ein paar Jahre später steht das Haus in einem gepflegten Garten, Rampen und Schotter sind längst weg, der Bach fließt wieder ruhig dahin. Und die Johns haben viel mitgenommen aus der turbulenten Zeit. Robert John: „Beim Bauen haben wir gelernt: Irgendwie schafft man alles.“

Zur Person

Robert John war lange bei Microsoft tätig, parallel dazu hat er sein Unternehmen Geopic aufgebaut und neue Techniken entwickelt, um sich dem bewegten Bild zu widmen: Mit selbst entwickelten Kameras konzipiert und produziert er Image-, Unternehmens- und Produktfilme, Schwerpunkte sind der Immobilien- und Tourismusbereich. John lebt seit Ende 2008 gemeinsam mit seiner Frau Nina in einem Fertigteilhaus am Rand der niederösterreichischen Gemeinde Breitenfurt – auf einem Grundstück mitsamt Bach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2014)

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