Bitte keine Bevormundung

Meinungsumfragen sind ein wesentliches Element der Information – auch wenn die Institute manchmal danebenliegen.

Hat die SPÖ vor der Kärntner Landtagswahl manipulierte Umfragen lanciert, die ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Nummer eins im Lande vorgegaukelt haben? Falls es so gewesen sein sollte, ist der Versuch jedenfalls fürchterlich ins Auge gegangen. Mobilisiert wurden nicht die eigenen Wähler, sondern die des BZÖ. Die Kärntner haben die Landeshauptmannfrage klar beantwortet: Sie wollten nicht Reinhart Rohr, sondern Gerhard Dörfler an der Spitze sehen.

Auch wenn die Prognosen deutlich danebengelegen sind, sollte man daraus aber kein Veröffentlichungsverbot für Meinungsumfragen kurz vor der Wahl ableiten, wie dies das BZÖ macht. Verbote sind nie gut, Bevormundung schon gar nicht. Warum sollen die Wähler nicht erfahren dürfen, wie die Stimmungslage kurz vor der Wahl ist? Und wenn man Umfragen verbietet, weil damit Wahlen beeinflusst werden könnten, dann kann man mit dem gleichen Argument auch kritische Zeitungskommentare verbieten.

Und die angeblich gefälschten Prognosen? Da sind die Meinungsforschungsinstitute selbst gefordert. Ein Institut, das da mitspielt, ruiniert seine eigene Glaubwürdigkeit – und die einer ganzen Branche dazu. Gewisse Selbstregulierungsmechanismen scheinen notwendig zu sein. Sonst werden künftig Meinungsumfragen überhaupt nicht mehr ernst genommen.


martin.fritzl@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.03.2009)