Darwin-Jahr: Evolution oder Schöpfung? Ja!

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Eine Meinungs-Umfrage zeigt, dass die Österreicher an Wissenschaft interessiert sind – und an Harmonie.

Als US-Präsident Bush senior einmal gefragt wurde, ob ein Atheist auch guter „Bürger“ und „Patriot“ sein könne, verneinte er beides, jenseits des Atlantik herrschen starre Fronten in Fragen des Glaubens. Und die Verhältnisse liegen, auch was die Entstehung des Lebens angeht, klar: 40 Prozent akzeptieren die Evolution, 39 Prozent weisen sie zurück und setzen auf die Schöpfung oder einen übernatürlichen Plan („Design“), wenn man sie um Beurteilung von Folgendem bittet: „Menschliche Wesen, wie wir sie kennen, haben sich aus früheren Tierarten gebildet.“

Ein stärkerer Schöpferglaube fand sich 2005 unter 34 befragten Nationen nur noch in der Türkei (55 Prozent), Österreich folgte auf Rang zehn, um die 30 Prozent bekannten sich dazu (zur Evolution knapp 60). Eine andere Umfrage in Österreich aus dem Jahr 2002 ergab 41 Prozent Anhänger der Evolution und je 20 für Schöpfung und Design.

 

Ein Vorfahr von Affe und Mensch?

So verwunderte es dann doch, dass bei der jüngsten Umfrage zur Erhebung der „ÖsterreicherInnen zur Evolution“ – sie wurde von GfK in Zusammenarbeit mit dem Soziologen Leopold Rosenmayr durchgeführt und am Mittwoch vom Wissenschaftsministerium und der Akademie der Wissenschaften präsentiert – gleich 80 Prozent mit „Ja“ antworteten, als sie gefragt wurden: „Was glauben Sie selbst? Haben Menschen und Affen einen gemeinsamen Vorfahren oder nicht?“ Zwölf Prozent verneinten, acht enthielten sich der Antwort.

Dieser Befund steht eigenartig quer zu den Antworten auf eine andere Schlüsselfrage: Dass „die Evolutionsbiologie die Frage zur Entstehung des Lebens nicht befriedigend erklären kann“, unterschreiben 51Prozent (dagegen: 30, weiß nicht: 19). Das heißt aber wieder nicht, dass nun alle 51 Prozent bei der Entstehung des Lebens an einen Schöpfergott bzw. eine „überirdische Intelligenz“ glauben. Das tun nur 19Prozent (dagegen: 60, weiß nicht: 21). Werden sie hingegen gefragt, ob es ihre „persönliche Überzeugung ist, dass es einen Schöpfergott gegeben haben muss“, sind wieder 31 Prozent dafür und 46 Prozent dagegen.

Meinungsforschung ist die Kunst des Fragens – deshalb ist es bedauerlich, dass die jetzt gestellten Fragen nicht mit denen früherer und denen internationaler Umfragen akkordiert waren, Vergleiche in Zeit und Raum ermöglichen sie nicht –, natürlich ist sie auch die Kunst des Interpretierens: „Fast 90Prozent“ akzeptierten die Evolution, erklärte Wissenschaftsminister Johannes Hahn, zugleich sähen fast 50 Prozent in der Religion die „zutreffende Erklärung“ (beides steht so allerdings nicht in der Studie): „Die Österreicher wollen das eine ohne das andere nicht, das gilt auch für die Ausbildung in den Schulen, wo 62 Prozent beides wünschen, eine naturwissenschaftliche Theorie und eine religiöse und theologische Deutung, die einander ergänzen können.“ Man weiß es also nicht so genau und versichert sich nach beiden Seiten.

„Kann man sowohl die wissenschaftliche Weltauffassung von der Evolution vertreten als auch gleichzeitig an einen persönlichen und allmächtigen Gott glauben?“ 70 Prozent sagen „Ja“, 15 „Nein“.

„Die österreichische Öffentlichkeit will Harmonie“, interpretierte Akademie-Präsident Peter Schuster, der auch die Planung der Darwin-Tagung verteidigte, auf der neben Naturwissenschaftlern auch Kardinal Christoph Schönborn (am Mittwochabend) vorgetragen hat. Und die österreichische Öffentlichkeit will Wissen: 89 Prozent haben „großes“ oder „einiges“ Interesse an der Entstehung des Lebens respektive des Menschen; wenn man aber die Frage nur ein klein wenig anders stellt – „Für welche Fragen der Evolution interessieren Sie sich am ehesten?“ –, schrumpft das Interesse wieder: Nun zeigen es bei der Entstehung des Lebens 29 Prozent, bei der des Menschen 13Prozent, so wichtig ist er offenbar nun auch wieder nicht; selbst der Urknall fährt mehr ein, 15 Prozent, vor allem bei den Männern unter 30 Jahren.

Ansonsten spielen bei der Gretchenfrage nach Evolution oder Schöpfung laut Rosenmayr soziologische Hintergründe keine Rolle, weder Bildung noch ethnische Herkunft beeinflussen die Meinung. Nur einen Punkt konnte der Sozialforscher ausmachen: „Das mittlere und höhere Alter ist interessierter. Erstaunlicherweise sind die Pensionistenverbände noch nicht draufgekommen, welches Interesse es da an Weiterbildung gibt.“