Die Gefahr, dass Weltraummüll auf die Erde kracht, nimmt lawinenartig zu. Beunruhigend.
Das wirklich Dramatische erfährt man oft ganz beiläufig. „Ein Asteroid“, sagt der Online-Kollege in diesem unbekümmerten „Heute ist das Wetter aber schlecht“-Smalltalk-Ton, als ich ihn am Gang treffe. „Ein Asteroid hat soeben ganz knapp die Erde verfehlt.“ Angst. Wie knapp? Knapp. 70.000 Kilometer. Was mich in meinem beschränkten Vorstellungsvermögen beruhigt, in Weltraumdimensionen aber natürlich „haarscharf vorbei“ bedeutet. Hätte der Asteroid getroffen, sagt er, hätte das schlimme Folgen gehabt. „So wie damals 1908.“ Verstehe.
Das Weltall ist derzeit überall. Nachrichtentechnisch. Und meist sind die News unbequem. Wie die vom Weltraummüll, den rücksichtslose Raumfahrer verstreut haben. Die Gefahr, dass der Schrott mit Satelliten kollidiert oder auf die Erde kracht, werde „lawinenartig“ zunehmen, sagen Experten. Was da alles herumrast, sieht man aber gar nicht so genau. Denn wie wir einer weiteren Meldung entnehmen, ist das All quasi unsichtbar geworden. Weil wir es nachts hell mögen, um etwa andere Menschen im Dunkeln nicht niederzuführen, sieht man die Sterne kaum noch. Die Lichtverschmutzung (so heißt das) mag für den Durchschnittsbürger beim Aussitzen der Wirtschaftskrise vergleichsweise unbedrohlich erscheinen. Ein Dorf in Neuseeland nimmt das Problem aber ernst. Tekapo hat strikte Beleuchtungsregeln erlassen und kollektiv das Licht gedimmt. Das Sicherheitsgefühl auf düsteren Dorfstraßen mag sinken, das Unfallrisiko steigen, die Bewohner aber sehen die Milchstraße wieder gestochen scharf. Und wohl auch den Weltraummüll, obwohl sie den vermutlich nicht sehen möchten. Apropos Sterne und nicht sehen wollen (elegante Überleitung, oder?): Ab heute tanzen die Dancing Stars wieder durch den Hauptabend. Sie sehen: Wirklich Dramatisches erfährt man oft erst zum Schluss.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2009)