Das Dilemma der Notenbanker: Was nützt das billigste Geld, wenn es nicht dort ankommt, wo es gebraucht wird.
Wahrscheinlich haben die Kritiker recht, die der EZB Zaudern vorwerfen, während sie das Gesetz des Handelns aufseiten der amerikanischen Notenbank Fed sehen. So gut steht die Wirtschaft der Eurozone nämlich wirklich nicht da, als dass man mitten in einer völlig vernetzten Welt Hochpreisinsel für Finanzierungen spielen könnte.
Aber die Wirksamkeit der „Zinswaffe“ wird in einer Krise, deren zentrales Merkmal ein „Pfropfen“ im Finanzkreislauf ist, wohl heillos überschätzt: Was nützt das reichlich in den Markt gepumpte billige Geld, wenn es nicht dort ankommt, wo es gebraucht wird?
Es wird ja niemand mehr bestreiten, dass es für Unternehmen und Private deutlich schwieriger geworden ist, an Kredite zu kommen. Und dass der Preis des Bankgeldes derzeit in keiner vernünftigen Relation zum Leitzins steht.
Dass die Banken nach dem finanziellen Super-GAU der vergangenen Monate risikoavers geworden sind, kann man ihnen nur schwer zum Vorwurf machen. Aber wenn der Geldkreislauf nicht schnell wieder ordentlich in Gang gebracht wird, kann die Notenbank ihre Beinahenullzinsen wegen Wirkungslosigkeit gleich wieder einpacken. Um beim viel strapazierten Kreislaufbild zu bleiben: Ein Patient mit einem akuten Infarkt (wie jetzt die Weltwirtschaft) hat ein existenzielles Problem. Auch dann, wenn er, wie uns manche Ökonomen beruhigend immer noch einreden wollen, bis auf den Pfropfen im Kreislauf „völlig gesund“ ist.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2009)