KONTRA. Jörg Krämer zweifelt an Konjunkturprogrammen.
Die Presse: In Zeiten der Krise wird ein Konjunkturprogramm nach dem anderen beschlossen. Warum zweifeln Sie die Wirkung dieser Programme an?
Jörg Krämer: Weil sie in der Vergangenheit nicht gewirkt haben. Die Staaten erwarten sich zu viel von diesen staatlichen Investitionsprogrammen. Infrastrukturausgaben sind zwar langfristig nützlich, da man damit die Rahmenbedingungen für das Wirtschaften verbessert. Aber sie bringen nichts, um kurzfristig die Krise zu überwinden. Die Verfahren sind hier zu langwierig. Bis tatsächlich Geld in die Infrastruktur fließt, ist die Krise schon vorbei.
Was halten Sie von Steuersenkungen?
Krämer: Langfristig sind Steuersenkungen positiv, weil man damit Menschen zum Arbeiten und Unternehmen zum Investieren motiviert. Aber auch sie sind kein Instrument, um in der Krise punktgenau die private Nachfrage zu stützen. Wenn man in den USA die Steuern senkt, werden die hoch verschuldeten Menschen dieses zusätzlich Geld nicht für den Konsum ausgeben. Sie werden ihre Schulden begleichen.
Soll der Staat einfach zuschauen, wenn tausende Unternehmen insolvent werden und der Arbeitsmarkt zusammenbricht?
Krämer: Der Staat muss an den Finanzmärkten ansetzen, der Fluss der Kredite muss sicher gestellt werden. Das sollte seine Hauptaufgabe sein. Aber kein Konjunkturprogramm dieser Welt kann diese Rezession verhindern.
Erwarten Sie in Folge der milliardenschweren Staatsprogramme in einigen Jahren eine Inflationswelle?
Krämer: Mit der aktuellen „Liquiditätswut“ versuchen die Staaten, eine Deflation zu verhindern. Das ist auch gut so. Wenn die Krise aber vorbei ist, müssen die Zentralbanken überschüssiges Geld auch wieder einsammeln. Dieses Umschalten fällt den Zentralbanken üblicherweise schwer. Es könnte daher nach der Krise eine stärkere Inflation geben.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2009)