Staatliche Investitionen halfen in der Krise der 90er-Jahre nicht.
Mit dem Vorschlaghammer zertrümmern Männer vor dem US-Kapitol japanische Elektronikprodukte: Mit dieser publikumswirksamen Aktion protestierten einige Kongressabge-ordnete Mitte der 80er-Jahre gegen Japans Wirtschaftspolitik. Damals hielt die Notenbank den Yen künstlich niedrig und befeuerte so den Export innovativer Produkte. Das Land der aufgehenden Sonne war auf dem Weg zur mächtigsten Wirtschaftsmacht der Welt.
Japans Ökonomen sprachen bereits vom Ende aller Konjunkturzyklen, ihre wissensbasierte Wirtschaft werde einen immerwährenden Aufschwung erleben. Diese Prognosen waren einige Jahre später Makulatur. Anfang der 90er-Jahre platzte die Aktien- und Immobilienblase, die Realwirtschaft schlitterte in eine Rezession.
Den Ausweg aus der Krise suchte Japans Politik in keynesianischen Rezepten: die Zinsen noch weiter senken und von Staats wegen investieren, um die Nachfrage anzukurbeln. Über eine Dekade lang verabschiedete Japan ein Konjunkturprogramm nach dem anderen, butterte Milliardenbeträge in die Infrastruktur. Flüsse wurden umgeleitet, Straßen und Brücken gebauet, die dann kaum frequentiert wurden.
Nur ein Teufelskreis wurde vermieden
Die Wirkung blieb aus. Stattdessen kam 1994 eine Deflation hinzu, und die Investitionsprogramme ließen das Staatsdefizit in die Höhe schnellen. 1990 hatte das Land noch einen Überschuss von 2,1 Prozent produziert, 2002 stand ein Minus von acht Prozent zu Buche. Freilich behaupten einige Experten, die Krise sei ohne Konjunkturprogramme viel schlimmer ausgefallen. Denn immerhin konnte eine Deflationsspirale vermieden werden. Zwar sanken die Löhne ein wenig Jahr für Jahr, doch das fiel den Konsumenten kaum auf, weil die Preise ebenfalls moderat fielen und man sich weiterhin etwa gleich viel kaufen konnte. Die Unternehmen hielten sich nach japanischer Tradition mit Kündigungen zurück. Die Nachfrage stabilisierte sich auf niedrigerem Niveau. Die Japaner hatten es sich in der Krise halbwegs bequem gemacht.
Erst 2004 wurden erste Symptome einer echten wirtschaftlichen Belebung spürbar. Aber zu spüren bekam Japan auch die Staatsschulden, die das Land in der Zwischenzeit angehäuft hatte. Sie liegen heute bei 180 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP). Damit ist Japan das mit Abstand am schwersten verschuldete Industrieland.
Das trifft den Inselstaat in der aktuellen Krise hart. „Die Politik hat zwar Rettungs- und Hilfspakete im Wert von zehn Prozent des BIP verabschiedet, aber nur ein geringer Teil wird für staatliche Investitionen wirklich ausgegeben“, sagt Dora Borbely, Japan-Expertin der DekaBank, zur „Presse“. „Japan kann sich eben keine große Sprünge mehr leisten.“ ak
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2009)