Investitionen in Bildung, Forschung und Gebäudesanierung wirken nicht sofort, dafür umso länger.
Beim Nachdenken über das Ankurbeln der Wirtschaft empfiehlt sich ein Blick über den zeitlichen Tellerrand. Denn Investitionen in die Zukunft können zweierlei: Sie stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Landes, und ihre Effekte wirken lange nach. Ihr größter Schwachpunkt: Es dauert eine Zeit, bis die Instrumente gegen die Krise greifen.
Ein gutes Beispiel ist der Bereich Bildung. Das Musterbeispiel Finnland (siehe Bericht auf Seite 4) zeigt, wie sehr sich Investitionen hier auszahlen. Dank der grundlegenden Bildungsreform in den Siebzigerjahren standen Anfang der Neunziger mehr als genug hochqualifizierte Arbeitskräfte bereit, um Finnland in einen Hightechstandort zu verwandeln. Das Bildungssystem gilt heute als das erfolgreichste der Welt.
Auch Investitionen in die Forschung haben ähnliche Effekte. Auch wenn solche Ausgaben nicht gleich morgen ein marktreifes Produkt hervorbringen, sind die langfristigen Wettbewerbsvorteile von forschenden Unternehmen unbestritten. Heimische Hersteller reagieren bereits: Die staatliche Förderbank aws hat heuer bereits 200 Mio. Euro an Forschungskrediten vergeben, also ein Drittel ihres Jahresbudgets.
Drittens spricht vieles für die Förderung thermischer Gebäudesanierungen. Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt direkt vor Ort sind schnell und halten lange an. Gleichzeitig profitieren nicht nur Baufirmen, sondern ebenso Vermieter durch eine Wertsteigerung ihrer Immobilie. Mieter können ihre Heizkosten nahezu halbieren, was wiederum die Konsumkraft der Menschen stärkt.
Schließlich kann eine funktionierende Infrastruktur im 21. Jahrhundert nicht mehr ohne Breitbandzugang zum Internet auskommen. Finden sich in den Ballungsräumen genug Firmen, die den Netzausbau finanzieren, bleiben ländliche Regionen strukturell unterversorgt. Glasfaser statt Beton, könnte also eine Antwort auf die Frage nach richtigen Investitionen in die Zukunft lauten. Entsprechend plädiert die EU-Kommission bereits für staatliche Anreize zum Ausbau der Datenautobahn. Die Vorteile liegen auf der Hand: Kabel müssen verlegt, Funkmasten errichtet werden. Das schafft Arbeitsplätze. Der eigentliche Gewinn sind aber die langfristigen und indirekten Effekte. Ein schneller Internetzugang erleichtert den Zugang zu Bildung, hilft Gemeinden im Standortwettkampf und öffnet neuen Geschäftsmodellen die Tür. Derzeit surft nur knapp die Hälfte aller österreichischen Haushalte mit einer raschen Breitbandverbindung im Internet. Jeder zusätzliche Nutzer würde die Kundenschar im Internet verstärken. Kritiker zweifeln daran, dass ein engmaschiges Breitbandnetz ausreichend genutzt würde. Außerdem liefe der Staat Gefahr, Kosten zu übernehmen, die die Firmen ohnedies getragen hätten.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.03.2009)