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"Yes We Does": Skurriles Lied für Alaba

(c) APA/HANS PUNZ (HANS PUNZ)
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Die 5/8erl in Ehr'n haben dem Fußballer ein Lied geschrieben. "Die Presse" traf Sänger Max Gaier und Keyboarder Clemens Wenger zum Gespräch.

Wien. Wie fast alle ihre Alben ziert auch das neue Opus „Yes We Does“ ein Ballestererlied. Es heißt so prägnant wie ausdrucksstark „Alaba“. Das hier angewandte anglosächsische Idiom, das sie in ihrer Kunst nur in sehr homöopathischen Dosen nützen, hat wohl der Tiroler Landeshauptmann, Günther Platter, inspiriert, der den österreichischen Nationalspieler bei der ersten Begegnung auf Englisch angesprochen hat.

Aber egal, der Fußball ist wie das Wirtshaus bestens dazu geeignet, Unterschiede sozialer Natur zum Verschwinden zu bringen. „Im Spiel erkennt man den Menschen besser als in 1000 Worten“, zitiert Tastenstreichler Clemens Wenger gleich zu Beginn den römischen Dichter Ovid. Max Gaier hingegen, einer der beiden Sänger der 5/8erl in Ehr'n, wird konkret. „Für mich ist der FC Blau-Weiß-Linz immer noch die beste europäische Mannschaft. Dass sie nur in der Regionalliga herumgrundelt, tut nichts zur Sache.“

Wo andere das große Problem im Fußball sehen, dass man sich nämlich für eine der beiden Mannschaften entscheiden muss, sieht Geier eine Glücksmöglichkeit: „Der Fußball forciert den hemmungslosen Subjektivismus. Da muss man nicht drüberstehen.“ Im Mannschaftssport sind auch Gaier und Wenger zu Hause. Ihr Team ist ein Wunderteam. Es umfasst fünf Musiker, die höchst heterogene Charaktere sind. Bassist Hannibal Scheutz ist eine Frohnatur, während sich die melodienverliebte Gitarristin Miki Liebermann viel lieber herb gibt. Keyboarder Clemens Wenger sorgt für viel Soul in der Band. Produzent David Müller sagt gern, dass er die Heizung der Band sei. Und schließlich die beiden Sänger, Bobby Slivovsky und Max Gaier, sie sind mindestens so gegensätzlich wie Pirron und Knapp.

Übermaß an Gefühlen

„Es mag vielleicht esoterisch klingen“, sagt Gaier, „aber wir sehen es als Fügung, dass ausgerechnet wir fünf uns getroffen haben.“ Zu Beginn wollte sich die Kombo nur über die langen Sommer in Beschäftigung halten. „Uns ging es zunächst nur darum, in Gastgärten zu singen. Dort haben wir Operettenklassiker harmonisiert.“ Das war eine gute Schule. Das genreübliche Übermaß an Gefühl haben sie sich für ihren eigenen Sound bewahrt. Der setzt sich aus einer Prise Jazz, einem Alzerl Wienerlied und ganz viel Soul zusammen. In München, wo sie demnächst zweimal auftreten, liebt man sie als Repräsentanten eines „Wiener Soul“.

„Das Langsame, das Entschleunigte an uns Österreichern taugt ihnen. Die normalen Deutschen drücken immer drauf. Denen fehlt es an Lässigkeit“, wissen sich Gaier und Wenger getragen von der Sympathie der potenziellen Minderleister beim Nachbarn. Ihre Kreativität bahnt sich bei jedem Lied neue Wege. „Einer hat eine Idee, ein anderer springt drauf an. Wer das ist, kann man nie vorhersagen. Wir arbeiten in immer neuen Konstellationen“, sagt Gaier. Und: „Jeder Kollege lockt etwas anderes aus mir hervor.“ Für Clemens Wenger ist die Probesituation etwas Entscheidendes. „Wir proben stets in Wohnzimmern. Das ist essenziell, denn das Schlimmste sind schiache Proberäume. Da verdunsten schon 40 Prozent der guten Ideen, bevor das Keyboard noch eingestöpselt ist.“

Wichtig ist ihnen, dass sie mit ihren Liedern die Hörer nicht zu sehr bedrängen. Weder musikalisch noch textlich. „Mich macht es fertig, wenn mich ein Lied in nur eine Emotion drängt“, sagt Wenger. „Ein Lied muss sinnliche Erfahrung zulassen“, ist Gaier überzeugt. Den Zeigefinger lassen sie bei ihren gesellschaftskritischen Szenarien weg. Selbst so ein heikles Sujet wie der Akademikerball wird bei ihnen bloß mit süffisantem Schmäh abgehandelt.

Nicht einmal vor der Romantik fürchten sie sich, wie das zärtliche „Blumenwiesenwort“ beweist. Um so schöner, dass sie von ihrer Kunst mittlerweile „beinahe“ leben können. Den „totalen Sommerhit“, den sie besingen, müssen sie selbst gar nicht haben. „Im Endeffekt ist Erfolg, wenn mir mein Leben Spaß macht“, sagt Gaier. „Das tut es. Was kann ich mehr wollen?“

AUF EINEN BLICK

Bandgeschichte. Gegründet wurde 5/8erl in Ehr'n 2006, 2008 folgte das viel beachtete Debütalbum „Es muss was Wunderbares sein“. 2010 gelang der Band ein Hit: „Siasse Tschick“. Vier Jahre später erscheint nun das Album „Yes We Does“.

Die nächsten Konzerttermine: 31. Oktober im Stadtsaal Tulln, 4. November im Stadtsaal Wien und 13. November in der Postgarage Graz. Nähere Informationen zur Band und den Konzertterminen unter: www.5achterl.at.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2014)