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Weltklimareport: "Es ist noch Zeit, aber sehr wenig"

(c) Die Presse (Clemens Fabry)
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Der Kampf gegen den Klimawandel sei bezahlbar - noch, sagt der Weltklimarat. Eine CO2-Reduktion würde das globale Wirtschaftswachstum kaum beeinträchtigen.

Kopenhagen. Der Weltklimarat (IPCC) hat mit der Zusammenfassung seiner drei jüngsten Berichte die Bedrohung des Klimawandels auf den Punkt gebracht: Ohne sofortiges entschlossenes Handeln drohe eine tiefgreifende und irreversible Veränderung des Weltklimas – und noch seien die Kosten für Gegenmaßnahmen begrenzt.

Der fünfte Weltklimareport wurde am Sonntag in Kopenhagen vorgestellt. Die Forscher stellten klar, dass der Temperaturanstieg mit globalem Einsatz noch gebremst werden könne – und ein rascher Wechsel auf alternative Energien wenig kosten würde. Der IPCC hält die Erwärmung der Erde bei einem völligen Stopp des Treibhausgas-Ausstoßes bis 2100 für noch beherrschbar. „Es ist noch Zeit, aber sehr wenig“, sagte der Chef des Klimarats IPCC, Rajendra Pachauri, am Sonntag.

 

Kosten jetzt noch tragbar

Wenn Kohlendioxid-, also CO2-, und andere Treibhausgas-Emissionen in den nächsten 90 Jahren auf nahe null gedrückt würden, sei die globale Erwärmung auf etwa zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen und verursache noch tragbare Kosten, heißt es in dem Bericht. Er dient als Grundlage für die Weltklimakonferenz Ende November in Peru. Diese soll wiederum den Weg für das entscheidende Treffen ein Jahr später in Paris ebnen, wo sich die Weltgemeinschaft auf einen umfassenden Klimavertrag einigen will.

Die nun vorgestellte 40-seitige Synthese fasst die Erkenntnisse von drei vorherigen, detaillierten Berichten des IPCC aus den vergangenen zwölf Monaten zusammen. Seit 2010 arbeiteten mehr als dreitausend Experten aus mehr als 70 Ländern daran. Der Bericht bestätigt erneut, dass der Klimawandel mit einer Wahrscheinlichkeit von über 95 Prozent vom Menschen gemacht ist. „Der Kampf gegen den Klimawandel ist bezahlbar, wir sind aber nicht auf dem richtigen Weg“, sagte der Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer. Edenhofer war führend an den letzten IPCC-Berichten beteiligt.

Ohne einschneidende Maßnahmen werde das Risiko erheblich steigen, dass es durch die Erwärmung am Ende des 21. Jahrhunderts zu schwerwiegenden und unumkehrbaren Folgen für die Umwelt komme, heißt es in dem Bericht weiter. Damit ist etwa das komplette Abschmelzen der Grönland-Gletscher mit einem Anstieg des Meeresspiegels und großflächigen Überschwemmungen der Küstenregionen gemeint.

Um eine Erwärmung über zwei Grad Celsius zu verhindern, sei eine drastische Reduzierung der CO2-Emissionen in den kommenden Jahrzehnten notwendig. Die Konzentration der Treibhausgase in der Atmosphäre sei auf dem höchsten Stand seit mindestens 800.000 Jahren, warnte der IPCC. Die weltweite Oberflächentemperatur habe sich zwischen 1880 und 2012 um 0,85 Grad erhöht, und der Meeresspiegel sei zwischen 1901 und 2010 um 19 Zentimeter gestiegen.

 

Null CO2-Ausstoß bis 2100

Notwendig sei eine Reduzierung des Ausstoßes der Treibhausgase wie Kohlendioxid um 40 bis 70 Prozent zwischen 2010 und 2050 und auf null bis 2100. Dafür müsse von fossilen Energiequellen wie Öl, Gas und Kohle auf Energie aus erneuerbaren Quellen wie Sonne, Wind und Wasser umgeschwenkt und der Energieverbrauch deutlich reduziert werden.

Nach den Berechnungen des IPCC würde das globale Wachstum von den Kosten zur Reduzierung der CO2-Emissionen nicht stark betroffen werden. Selbst ehrgeizige Maßnahmen würden demnach nur jährlich 0,06 Prozentpunkte des weltweiten Konsums im 21. Jahrhundert kosten, wobei mit einem jährlichen Wachstum zwischen 1,6 und drei Prozent gerechnet wird. Sollte dagegen nicht rasch etwas unternommen werden, würden die Kosten stark ansteigen, warnte der Weltklimarat.

Österreich ist zuletzt von seiner Rolle als Umweltmusterland zugunsten der Wirtschaft abgewichen. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner forderte kurz vor dem EU-Klimagipfel Ende Oktober gratis CO2-Zertifikate für die Industrie und ein Ende der verbindlichen EU-Klimaschutzziele. (es/ag.)

AUF EINEN BLICK

Weltklimareport. Der Weltklimarat IPCC hat in seinem Abschlussbericht zum sofortigen Handeln aufgerufen, um die Erderwärmung auf unter zwei Grad zu begrenzen. Wenn nicht rasch Schritte zur Reduzierung der Treibhausgasemissionen unternommen würden, drohten irreversible Veränderungen des Weltklimas. Die Auswirkungen einer schrittweisen Reduzierung des CO2-Ausstoßes auf das Wirtschaftswachstum seien minimal, wenn man rasch handle.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2014)