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Leute, die im Gespräch ständig meinen Namen sagen

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(c) imago/AFLO (imago stock&people)
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Empörung ist vielleicht zu viel verlangt, vor allem, wenn man noch nicht einmal den Kurs „Empörung für Phlegmatiker“ an der Volkshochschule erfolgreich absolviert hat.

Doch Verwunderung darf schon sein. Über jene Menschen nämlich, die während einer Unterhaltung ständig den Namen des Gesprächspartners sagen. Als ob sie sich immer wieder vergewissern müssten, dass sie noch wissen, mit wem sie gerade Konversation führen. Und das dem Gegenüber auch mitteilen müssen. Wenn jeder neue Argumentationsstrang mit „Erich ...“ eingeleitet wird, ist jedenfalls Vorsicht angebracht. (Wenn Sie gar nicht „Erich“ heißen, sowieso, aber der Name war jetzt ja auch nur als Beispiel gedacht.) Wobei gelegentlich natürlich eine gesprächstaktische Variante dahintersteckt, die eigene Position zu untermauern, indem man vor den Namen ein eindringliches „aber“ stellt – und mit dem leichten Anflug von Indignation signalisiert, dass der Angesprochene sich in einer argumentativen Sackgasse befindet. „Aber Herr Kocina, Sie glauben doch nicht ...“ Gern auch verbunden mit einem Stoßseufzer und rollenden Augen.

Eine damit verwandte Unart ist das lang gezogene „Du“ als Anbahnung eines Gesprächs, dem der Name folgt. Immerhin setzt sich das aber in der Regel nicht während der Unterhaltung fort. Es sei denn als Ersatz für das „äh“, um vor einem neuen Gesprächsstrang ein wenig Zeit zu haben, sich zu ordnen. Sollte es im Lauf einer Konversation zu anhaltenden „Du“-Attacken kommen – oft auch in Kombination mit einem ausgestreckten Zeigefinger in Richtung des Angesprochenen, muss man ohnehin an der Sinnhaftigkeit des Gesprächs zweifeln.

Wie unsinnig dieses ständige Anreden im Gespräch ist, lässt sich übrigens schön illustrieren, indem man sich eine Nachrichtensendung im Fernsehen vorstellt, bei der jeder einzelne Beitrag mit „meine sehr geehrten Damen und Herren“ eingeleitet wird. Käme ja auch komisch, oder? Und das, liebe Leserinnen und Leser, musste einfach einmal gesagt werden.

E-Mails an:erich.kocina@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.11.2014)