Lewis Hamilton führte in den USA den zehnten Mercedes-Doppelsieg an und liegt nun 24 Punkte vor Nico Rosberg. Das stallinterne WM-Duell wird im Finale in Abu Dhabi entschieden.
Austin/Wien. Es war eine gewohnte Szene, als Lewis Hamilton in Austin ganz oben auf dem Podest jubelte und mit Champagner spritzte. Einzige Neuerung beim fünften Triumph in Folge, dem zehnten in diesem Jahr, war kurzzeitig ein Cowboyhut, den er von US-Rennfahrlegende Mario Andretti bekommen hatte. Vielleicht schon ein Platzhalter für die WM-Krone, die zwar erst am 23. November im Finale in Abu Dhabi vergeben werden wird, Hamilton aber kaum noch zu nehmen sein dürfte.
Der zehnte Doppelsieg besiegelte, dass der Titel wenig überraschend an einen Mercedes-Piloten gehen wird. Daniel Ricciardo verabschiedete sich mit einem dritten Platz aus dem WM-Rennen. „Es ist ein gutes Gefühl zu wissen, dass nur noch ein Mercedes-Pilot Weltmeister werden kann“, frohlockte Motorsport-Chef Toto Wolff. „Ich bin sehr stolz auf die großartige Leistung des gesamten Teams.“
Zum achten Mal verwies Hamilton Teamkollegen Nico Rosberg auf den zweiten Platz, der Deutsche vermochte in Austin seine neunte Pole-Position in dieser Saison nicht zu nutzen. „Ich habe von Beginn an an diesen Sieg geglaubt“, erklärte der Brite. „Diese Saison ist unglaublich.“
Das entscheidende Manöver in Austin lancierte Hamilton in der 24. Runde: Ansatzlos und entschlossen nutzte er den Vorteil des DRS-Systems und zog vorbei. „Ich wusste, dass an dieser Stelle eine Chance bestand, dass er überholen könnte. Ich habe es defensiv probiert, aber Lewis hat einen guten Job gemacht“, meinte Rosberg. „Es gibt keine schlimmere Art und Weise, im Rennen zu verlieren: Pole-Position und dann überholt dich der Teamkollege mit dem gleichen Auto. Das ist ekelhaft.“ Der Deutsche setzte seine magere Bilanz fort: Aus 13 Pole-Positions resultierten nur vier Siege.
Den eindeutig größeren Killerinstinkt legt Hamilton an den Tag. Der 29-Jährige krönt fast die Hälfte seiner Starts vom ersten Platz auch mit dem Sieg, allein in dieser Saison sechs Mal. Egal, ob auf kurvenreicher oder geradliniger Strecke, der Weltmeister von 2008 läuft in der entscheidenden Phase zur Höchstform auf. In Austin löste er mit dem 32. GP-Sieg seiner Karriere auch Nigel Mansell als erfolgreichsten britischen Formel-1-Fahrer ab, zudem ist er erst der dritte britische Pilot nach Mansell und Jim Clark, dem fünf Erfolge in Serie gelangen. „Es ist ein großes Privileg, mein Land zu repräsentieren und ganz oben in der Fahrerwertung zu stehen.“
Rosbergs Chancen schwinden
In der WM-Wertung baute Hamilton nach 17 von 19 Rennen den Vorsprung auf Rosberg auf 24 Punkte aus. Da beim WM-Finale erstmals doppelte Punkte vergeben werden, sind noch maximal 75 Zähler zu vergeben. Rosberg muss auf einen „Lucky Punch“ hoffen, benötigt er in den beiden ausstehenden Rennen doch mindestens 25 Punkte mehr als sein Stallrivale, um den erstmaligen Titelgewinn zu fixieren. Selbst bei zwei Siegen muss der Deutsche darauf hoffen, dass Hamilton nicht besser als Dritter wird – fast undenkbar angesichts des aktuellen Erfolgslaufes. „Es bleibt dabei: voller Einsatz, volle Attacke. Es gibt noch eine Menge Punkte zu holen, und es kann noch eine Menge passieren“, übte sich Rosberg mit Blick auf den Grand Prix von Brasilien am Sonntag in Zweckoptimismus.
Wolff hofft jedenfalls auf einen fairen Zweikampf seiner Schützlinge bis zum Schluss. „Wir wollen, dass es ein cleaner Weltmeister wird“, sagte der Wiener. „Das ist vielleicht die neue Regel, dass es zwischen den beiden sauber und fair bis zum Ende zugehen muss.“
Auf einen Blick
Lewis Hamilton gewann den Grand Prix der USA vor seinem Mercedes-Teamkollegen Nico Rosberg. Der Titel geht somit definitiv an einen der beiden Piloten, derzeit liegt der Brite mit 24 Punkten voran. Bereits am kommenden Sonntag steigt der Grand Prix von Brasilien, die WM-Entscheidung fällt jedoch erst im Finale in Abu Dhabi (23. November), in dem erstmals doppelte Punkte vergeben werden.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.11.2014)