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Stalking: Witwe gegen Pfarrer

(c) APA
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Eine Schweizer Lehrerin wurde in Wien nach dem Stalking-Paragrafen verurteilt. Das Opfer: ein Pfarrer in Hernals.

wien.„Ich liebe dich, du mich auch, du weißt es nur noch nicht“, beschied Frau B. (58) einem Pfarrer, der früher in Emmendingen nahe Freiburg im Breisgau (Baden-Württemberg) tätig war und seit 2005 einer Pfarre in Wien-Hernals vorsteht. „Dann hat sie versucht, mir die Hose zu öffnen“, erzählte der 37-jährige Geistliche am Freitag in Wien vor Gericht. Dabei habe die Frau gemeint: „Nur ein Mal!“

Mehr als zehn Jahre war B., eine verwitwete Schweizer Lehrerin, hinter dem Kirchenmann her. Am 20. Jänner wurde sie als Stalkerin in U-Haft genommen. Und nun verurteilt: Sieben Monate Haft wegen „beharrlicher Verfolgung“ (Stalking), davon allerdings nur ein Monat unbedingt, der Rest auf Bewährung.

Schon in Deutschland brachte die Frau den Priester in Nöte. Immer wieder tauchte sie vor und in der Kirche auf, überhäufte sein Auto mit Geschenken. Mit Devotionalien und Kerzen, aber auch „mit Blumen, Kleidungsstücken, CDs und Rasierwasser“, schildert der schwarz gekleidete Zeuge mit ruhigen Worten. Es sei vorgekommen, dass sie sich auf die Motorhaube gelegt und daran geklammert habe.

 

Vom Teufel besessen?

Außerdem habe seine Verfolgerin gemeint, die Pfarre sei vom Teufel besessen. Und ihm zur Rettung ein Kloster in der Schweiz empfohlen. Manchmal wurde sie von der Polizei aus der Kirche eskortiert. Begleitet von unzähligen Anrufen, Briefen und E-Mails wechselte der Pfarrer nach Wien. Hier habe er mehrmals die Beichte abbrechen müssen, da sich unter den Sündern auch die Frau – trotz Hausverbots – befunden habe. Damit nicht genug, habe sie bei einem Gottesdienst während einer Anbetung den Hochaltar gestürmt, die Monstranz ergriffen und sei ins Freie gelaufen. „Bei der Kommunion hat sie sich hingekniet und mich an meinem Messgewand gezogen.“ Und: „Nach der Kommunion hat sie oft alleine angefangen, ein Lied zu singen.“ „Ich liebe ihn in christlicher Liebe“, erklärt die Frau. Ihr Urteil nimmt sie an.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2009)