Diesen Sonntag am Heldinnenplatz

Jetzt ist schon wieder was passiert!

Am Sonntag ist Weltfrauentag, und ich habe schon wieder fast auf eine Aufmerksamkeit für meine Frau vergessen. Liebe Männer, die ihr jetzt ebenfalls kopflos in die nächste Blumenhandlung stürmen wollt: Der 8. März ist kein Termin für kleine Galanterien, kein Valentinstag für schwer erziehbare Väter, sondern eine knallharte Angelegenheit. Es geht um Gerechtigkeit! Ein paar Tulpenzwiebeln, drei Flaschen Chablis oder fliederfarbene Dessous nur zum Spielen langen diesmal nämlich nicht. Das soziale Klima ist vergiftet, seit Ministerin Claudia Schmied im Alleingang die Norm-Arbeitszeit an unseren Schulen relativiert hat. Nun steht Jedermann unter dem Generalverdacht, ein Tachinierer zu sein.

Ich frage mich also, wie zehntausende österreichische Lehrerinnen, die wochenlang mit der Eigentlich-haben-die-immer-Ferien-Debatte gequält wurden, an diesem Sonntag auf die öffentlichen Erniedrigungen reagieren werden. Gibt es eine Großdemonstration auf dem Heldinnenplatz, bei der frau symbolisch die Büstenhalter der großen Koalition verbrennt? Werden sich kühne Aktivistinnen an das Denkmal der Maria Theresia ketten? Ich befürchte viel Schlimmeres. Den Unmut werden die Ehemänner zu spüren bekommen.

Stellen Sie sich folgendes, rein theoretisches Beispiel vor: Eine tüchtige Professorin einer AHS ist die ganze Woche über nicht nur von ihren Schülern, sondern auch von ihrem Direktor gequält worden (in den Schulen sind die Führungskräfte so naturgemäß Direktoren wie die Mehrzahl der Fachkräfte Frauen), von Pröll und Neugebauer auch noch. Den Samstag hat sie mit dem Einkauf und Wäschewaschen, mit dem Verbessern von Schularbeiten und den Hausübungen ihrer Kinder verbracht.

Nun kommt am Abend ihr Mann nach Hause. Sagen wir, er ist einer jener unlängst als Suderer bezeichneten Abgeordneten, der am Freitagmittag aus dem Parlament flüchtete, um sich mit dem Dienstwagen zum Fortbildungsseminar seiner Gewerkschaft im Thermenland chauffieren zu lassen. Sagen wir, dieser Nationalrat hat wegen wichtiger Verhandlungen völlig auf den Weltfrauentag vergessen, öffnet die Tür, streichelt den Hund und sagt mit liebevoller Bestimmtheit: „Schatzi, was gibt es heut zu essen?“ Es wäre denkbar, dass solch einem Produkt jahrhundertealter Pädagogik ausnahmsweise Gerechtigkeit widerfährt.


norbert.mayer@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2009)

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