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USA: Überraschende Trends führten zum Sieg der Republikaner

(c) Bloomberg (Luke Sharrett)
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Die Konservativen haben gezielt moderate Kandidaten gefördert, stark bei Asiaten gepunktet und zwei schwarze Debütanten in den Kongress gebracht.

Washington. Jahrelang konnte sich die demokratische Partei nach Wahlniederlagen damit trösten, dass die Bevölkerungsentwicklung der USA ihnen gleichsam automatisch künftige Mehrheiten zuspielen werde. Amerika wird urbaner, hispanischer, asiatischer: Diese demografischen Trends sollten es den demokratischen Wahlwerbern leicht machen, die Republikaner als Partei verbitterter alter Männer zu brandmarken. Angesichts des Erdrutschsieges der Konservativen vom Dienstag ist diese hinterfragenswert. Die Republikaner haben den Trends, die für die Demokraten sprechen sollten, auf mehrere Weisen erfolgreich entgegengearbeitet.

1. Moderate Macherstatt Tea-Party-Demagogen

Gewiss: Joni Ernst, die erste Senatorin aus Iowa, dürfte nun in die Fußstapfen schriller Tea-Party-Heldinnen vom Zuschnitt Sarah Palins oder Michele Bachmanns treten. Sie hat Präsident Obama einen Diktator genannt, hält die UN-Umweltcharta Agenda 21 für eine Verschwörung zur Zwangsumsiedlung von Bauern und droht der Bundesregierung mit dem Einsatz ihres Smith-&-Wessen-Revolvers. Aber Ernst ist eine Ausnahme unter den siegreichen republikanischen Kandidaten. Sie sind zwar gegen strengere Waffengesetze, gegen die Abtreibung und gegen die neue Krankenversicherung, Obamas wichtigste legislative Errungenschaft. Allerdings sind sie Pragmatiker mit Macherqualitäten: Männer wie Steve Daines aus Montana oder Corey Gardner aus Colorado. Das müssen sie auch sein, denn ihre Staaten sind ideologisch durchmischt. Solche kompromissfähigen Macher sind auch für parteiunabhängige Wähler attraktiv – und in der Mitte der Gesellschaft werden Wahlen zumeist gewonnen. So konnten die Republikaner bei Liberalen und Moderaten stark zulegen.

2. Asiaten als neue konservative Zielgruppe

Studien zeigen seit Jahren, dass Amerikaner asiatischer Herkunft ideale Zielgruppen für die Republikaner sind: Sie haben das höchste Medianeinkommen aller Volksgruppen und betonen die Wichtigkeit traditioneller Familienwerte und harter Arbeit. Zwar stammen nur rund sechs Prozent der US-Bürger aus Asien. Doch aus keiner Weltgegend wächst die Zuwanderung in die USA heutzutage stärker. Zudem leben viele Asiaten in jenen Vorstadtvierteln, die in Wahlkämpfen oft den Ausschlag geben; das kann man etwa in Maryland und Virginia beobachten. Die Republikaner legten bei dieser Wahl unter asiatischen Amerikanern um 17 Prozent zu und liegen nun gleichauf mit den Demokraten.

3. Schwarze Debütanten in der weißen Partei

Auch bei dieser Wahl waren die ethnischen Präferenzen der Wähler klar verteilt: 89 Prozent der Schwarzen wählten demokratisch, 60 Prozent der Weißen republikanisch. Zudem verlor John Barrow aus Georgia, der letzte weiße Demokrat im Süden, seinen Sitz im Abgeordnetenhaus. Das kann man als Schlussakkord des vor 50 Jahren begonnenen Rollenwandels zwischen Demokraten und Republikanern sehen: Erstere wurden die urbane, multikulturelle Partei des Nordens, Letztere die ländliche, weiße Partei des Südens. Diesem Trend laufen aber zwei republikanische Debütanten im Kongress entgegen: Aus Utah zieht Mia Love, eine 38-jährige Tochter haitischer Flüchtlinge, ins Abgeordnetenhaus. Und aus South Carolina kommt Tim Scott (49), der erste gewählte schwarze Senator aus einem Südstaat. Die Konservativen Love und Scott eint die persönliche Aufstiegsgeschichte aus ärmsten Verhältnissen. Sie werden es den Demokraten fortan erschweren, die Republikaner pauschal als Rassisten zu verunglimpfen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.11.2014)