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Arroganz der Popkultur-Maschine

Zack Snyders Film fehlt der anarchische Geist der Vorlage.

Hollywood produziert Popkultur. Und die Popkultur saugt alles ein, was sich nicht rechtzeitig in Sicherheit gebracht hat. Jetzt hat es Alan Moores legendäre Comic-Erzählung von den „Watchmen“ erwischt. Dieses fragmentarische, philosophische, hyperreferenzielle Schlüsselwerk der Postmoderne mit seinen mordenden, vergewaltigenden und – noch viel gewichtiger – traurigen Superhelden, wurde umgemodelt zu einer Art von Blockbuster. „Ich will mit diesem Film ein Massenpublikum erreichen und den Zusehern das Gefühl geben, das ich hatte, als ich den Comic zum ersten Mal gelesen habe“, sagt Regisseur Zack Snyder im Interview.

Die „Watchmen“, einst von der US-Regierung instrumentalisierte Vigilanten, die außenpolitisch (etwa im Vietnam-Krieg) wie innenpolitisch (etwa zur Bekämpfung der Gegenkulturen) eingesetzt wurden, sind Mitte der Achtzigerjahre nur mehr Schatten ihrer selbst: In der düsteren Alternativrealität regiert Richard Nixon unaufhörlich über die USA. Moore malt sich in seinem metahistorischen Comic-Thriller den Untergang der menschlichen Gesellschaft aus: in grellen Farben, mit vertrauten Figuren. Die Superhelden als apokalyptische Reiter. Moore, ein in Großbritannien zurückgezogen lebender Extravagant, hat sich wohlweislich von der Verfilmung ferngehalten: Die Tantiemen überweist er gleich weiter an seinen Kollegen und Freund Dave Gibbons, der die „Watchmen“ gezeichnet und das Filmteam als Ratgeber unterstützt hat.

Gebracht hat es nichts: Regisseur Snyder liefert mit „Watchmen“ eine bloße Illustration der Vorlage ab, ohne deren Brillanz zu streifen: Alle wichtigen Figuren, Handlungspunkte und Schauplätze sind vorlagengetreu umgesetzt, aber es führt zu nichts. Da Snyder nicht filmisch denkt, da er sklavisch umsetzt ohne Inspiration, ohne originäre kreative Leistung, da er vor allem nicht vom selben anarchischen Geist angetrieben wird wie Alan Moore. Snyders Film legt Zeugnis ab für diesen vielleicht brillantesten aller Comic-Autoren, für „Watchmen“ als Zentralroman; aber er bezeugt auch die grenzenlose Arroganz der Popkultur-Maschine, die glaubt, alles für ein breites Publikum aufbereiten zu können. mak

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.03.2009)