Portät: Der Oligarch, der in Wien festsitzt

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Der Milliardär Dmitro Firtasch war einst Vertrauter Janukowitschs und zuletzt Gönner Klitschkos. Eine verbissene Konkurrentin Firtaschs war stets Julia Timoschenko.

Dmitro Firtasch gilt als einer der mächtigsten und reichsten Ukrainer. Seit März sitzt er in Wien fest und wartet auf die Auslieferung in die USA. Kurzzeitig saß er in der Justizanstalt Josefstadt ein, kam dann aber gegen eine 125-Millionen-Euro-Kaution auf freien Fuß. Eigentlich hatte der Investor in der Ukraine-Krise alles richtig gemacht: Firtasch hat zum richtigen Zeitpunkt die Seiten gewechselt, den beliebten TV-Sender Inter erworben und über seine Drähte zu Abgeordneten der Partei der Regionen, gemeinsam mit dem Milliardär Rinat Achmetow, zum Sturz von Präsident Viktor Janukowitsch, seinem einstigen Vertrauten, beigetragen.

Zum Verhängnis wurde dem Oligarchen nun etwas anderes. Seit 2006 ermittelt die US-Bundespolizei FBI gegen den Mann mit dem gepflegten grauen Bart. Im Vorjahr erließ ein US-Bundesbezirksgericht einen Haftbefehl wegen Verdachts auf Bestechung und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung. Österreichs Behörden reagierten auf ein Rechtshilfeansuchen aus den USA.

Der 48-Jährige ist in der Schwindgasse im vierten Wiener Gemeindebezirk gemeldet, wo die Group DF ihren Sitz hat. Der Mischkonzern (Gas, Immobilien, Titan, Dünger) trägt die Initialen des Gründers im Namen.

In den Nullerjahren reich geworden

Reich geworden ist Firtasch mit Tausch- und später Gasgeschäften. Sein Stern ging in den Nullerjahren auf, als Zwischenhändler bei russisch-turkmenischen Gaslieferungen in die Ukraine. Eural TG hieß damals seine Firma, die jedoch 2004 liquidiert werden sollte. Er behielt das lukrative Geschäftsmodell bei und katapultierte sich nur ein Jahr später mit RosUkrEnergo (RUE) in die erste Liga der ukrainischen Oligarchen. Das Unternehmen kontrollierte praktisch den Gashandel in die Ukraine. Firtasch hielt 45 Prozent an der in Zug (Schweiz) ansässigen Gashandelsfirma, fünf Prozent ein Geschäftspartner namens Iwan Fursin und 50 Prozent der russische Konzern Gazprom. 2007 tauchte Firtaschs Name auf, nachdem er zuvor hinter der Treuhandschaft der Raiffeisen Invest AG verhüllt geblieben war. Der Wink kam von den USA. Später wurde Firtasch Thema im Banken-Untersuchungsausschuss in Wien.

Eine verbissene Konkurrentin Firtaschs, sowohl geschäftlich als auch politisch, war stets Ex-Premierministerin Julia Timoschenko. Sie warf ihm auch vor, bei RUE Strohmann und Partner von Mafiaboss Semjon Mogilewitsch zu sein, der, unter anderem wegen Geldwäsche in großem Stil, auf der FBI-Liste der zehn meistgesuchten Flüchtigen der Welt steht.