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Vor den Toren der Türkei: USA nehmen al-Nusra ins Visier

(c) APA/EPA/SEDAT SUNA (SEDAT SUNA)
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Islamisten der al-Nusra-Front sind nahe der türkischen Provinz Hatay auf dem Vormarsch.

Damaskus/Ankara. Von Bab al-Hawa liegt Kobane ein gutes Stück entfernt, aber beide Orte in Syrien befinden sich direkt an der Grenze zur Türkei – und werden derzeit von Islamisten belagert. Während die Schergen des Islamischen Staats (IS) bereits seit Wochen Kobane zu erobern versuchen – unter den Augen der Weltöffentlichkeit – hat sich der Ableger der al-Qaida, die al-Nusra-Front, fast unbemerkt bis an den türkischen Grenzposten Cilvegözü in der Provinz Hatay vorgekämpft. Und genau an diesem Grenzübergang wollte die Anti-IS-Koalition offenbar jene Kämpfer nach Syrien ein- und ausschleusen, die die USA ausbildet, um gegen die Islamisten zu kämpfen. Der Kontrollverlust über Bab al-Hawa wäre ein herber Rückschlag.

Terrorgruppe Khorasan als Ziel

Unterdessen hat die al-Nusra-Front mehrere strategisch wichtige Punkte in der syrischen Provinz Idlib erobert. Die USA reagierten in der Nacht auf Donnerstag mit gezielten Luftangriffen, wobei mehrere Menschen – darunter auch Kinder – getötet worden sein sollen. Ziel der US-Luftwaffe war ein al-Nusra-Hauptquartier in der syrischen Stadt Harim nahe der südtürkischen Stadt Reyhanli, Dort soll die von den USA ausgemachte Terrorgruppe Khorasan operieren.

Bisher konzentrierten sich US-Luftangriffe auf den IS; nach Bombardements im September ist es das zweite Mal, dass Washington die al-Nusra-Front im Visier hat. Zwischen al-Nusra und dem IS besteht Feindschaft, wiewohl beide Organisationen dieselbe Ideologie vertreten. Vor dem Aufstieg des IS war al-Nusra in Syrien die stärkste Islamistengruppe. (red.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2014)