Diversity im Management. Vergangene Woche machte Apple-Chef Tim Cook seine Homosexualität öffentlich. In Amerika gab es begeisterte Reaktionen. In Österreich ist das nicht ganz so. Von Andrea Lehky
Auf einen Blick
Er sei stolz, schwul zu sein, hat Tim Cook in einem Beitrag im US-Wirtschaftsmagazin „Businessweek“ geschrieben. Damit bekannte er sich erstmals öffentlich zu seiner Homosexualität.
Lob bekam der 53-Jährige nicht nur aus den eigenen Reihen. Auch Microsoft-Chef Satya Nadella bezeichnete sich als von Cook „inspiriert“. Doch Nadella, der erst im Februar die Konzernleitung von Steve Ballmer übernommen hatte, brauchte dringend einen Imageschub in Sachen Diversity: Mit seinen frauenfeindlichen Äußerungen („Wenn Frauen mehr Gehalt fordern, ist das schlecht für ihr Karma.“) war er eben erst ordentlich ins Fettnäpfchen getreten.
Schwul statt homosexuell
Tim Cook hat Glück. In Apples legendär offener Unternehmenskultur werden GLBT (Gay, Lesbians, Bisexual, Transgender) selbstverständlich integriert. Da fällt es leicht, wie Cook Homosexualität als „das größte Geschenk, das Gott mir gegeben hat“ zu bezeichnen.
Derartige Leichtigkeit erleben nicht viele bei ihrem Outing. Auch in Österreich nicht: „Im Management trauen sich nur wenige. Immer noch“, sagt Andreas Hiermayer, Präsident des Agpro (Verein zur Förderung homo- und bisexueller Führungskräfte).
Dabei ist das Problem oft gar nicht die Feindseligkeit des Umfelds. Hiermayer selbst war jahrelang Direktor eines Viersternehotels: „Der Besitzer hatte Berührungsängste, aus purer Unwissenheit. Er kannte vorher keinen Schwulen.“ Erst als sich die beiden besser kennenlernten, verstand er, „wie viele Gemeinsamkeiten meine Partnerschaft mit seiner hat.“
Ein wichtiger Hinweis: In der Community bezeichnet Schwulsein die gesamte Lebenswelt – Arbeit, Freizeit, Partnerschaft: „Homosexuell meint nur das Sexuelle. Und das geht niemanden etwas an.“
Im Netzwerk kursiert so manche Geschichte mehr oder weniger glatt gelaufener Coming-outs. Hiermayer kategorisiert: In der roten Reichshälfte fallen sie leichter als in der schwarzen; in Banken und Versicherungen am schwersten. Diese Branchen arbeiten an ihrem Ruf: Die Bank Austria etwa mit der Conchita-Wurst-Kampagne; das Raiffeisen-Universum mit RLB-Generaldirektor-Stellvertreter Georg Kraft-Kinz als einflussreichem Diversity-Fürsprecher. Hiermayer ist zuversichtlich: „Schön langsam bewegt sich etwas.“
Outing leicht gemacht
Das wäre ganz im Sinn der Betroffenen. Sie erleben erhöhten Leistungsdruck: „Ganz so, als müssten sie etwas Schlechtes durch bessere Arbeit kompensieren.“
Dazu komme ein sozialer Erklärungsnotstand. Wenn die Kollegen vom Wochenende mit der Familie erzählen, müssen sie schweigen. Manche geben gar nichts Privates preis, worauf der Chef denkt, sie hätten keine Familie, und teilt sie zum Wochenenddienst ein. Oft fällt eine „versachlichende“ Sprache auf, weil der Partner nie beim Namen genannt wird.
Für das Outing im Job gibt es zwei Wege. Der behutsame ist, sich Verbündete zu suchen und im Geheimen anzuvertrauen. Im Lauf der Zeit erweitert sich der Kreis, den Rest übernimmt die Stille Post.
Sehr Mutige wählen den direkten Weg: sich vor die versammelte Mannschaft zu stellen und wie der frühere Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit als „schwul und das ist gut so“ zu outen. Das funktioniert auch bei der Weihnachtsfeier.
Wer noch weiter geht, stößt Diversity-Initiativen an: eine Regenbogengruppe im Unternehmen setzt auch nach außen ein deutliches Signal. So wie das Coming-out des mächtigen Tim Cook: Der Apple-Boss wird als Rollenvorbild wohl die neue Schwulen-Ikone.
In Österreich verbindet das Netzwerk Agpro(Austrian Gay Profess-ionals) schwule Unternehmer, Fach- und Führungskräfte (im Bild Präsident Andreas Hiermayer). Es arbeitet eng mit seinem weiblichen Pendant, den Queer Business Women, zusammen.