Dieser Browser wird nicht mehr unterstützt

Bitte wechseln Sie zu einem unterstützten Browser wie Chrome, Firefox, Safari oder Edge.

Geräuschlos zur nächsten Steckdose

Elektroauto
ElektroautoDie Presse
  • Drucken

Elektroautos sind wie Computer in den 1990er-Jahren: Sie werden sehr rasch besser – und billiger. Ihr Hauptproblem teilen sie aber mit den neuesten iPhones: Der Akku ist zu klein.

Wien. In Österreich leben 8,5 Millionen Menschen, die insgesamt knapp 4,7 Millionen Autos besitzen. Diesel sind am beliebtesten (2,7 Millionen) – dicht gefolgt von Benzinern (zwei Millionen). Und Elektroautos? Davon wurden den Daten der Statistik Austria zufolge bis September diesen Jahres gerade einmal 3038 Stück zugelassen. Das entspricht (großzügig aufgerundet) 0,07 Prozent aller Fahrzeuge auf Österreichs Straßen.

Und doch scheint das oft hochgejubelte Elektroauto diesmal wirklich eine Zukunft zu haben. Das liegt an neuen Bestimmungen der EU. Und an dem Börsenerfolg des Unternehmens Tesla, das in den USA E-Sportautos herstellt. Aber vor allem liegt es daran, dass Elektroautos inzwischen zumindest für Besserverdiener leistbar geworden sind – in der Anschaffung.

Habe ein durchschnittliches Elektroauto vor fünf Jahren noch 40.000 Euro gekostet, seien es jetzt „nur“ noch 20.000, sagt Michael Fischer, Geschäftsführer von Smatrics, das als Joint Venture von Siemens und Verbund vor rund zwei Jahren angetreten ist, um in Österreich ein flächendeckendes Netz an Ladestationen zu schaffen: „Derzeit haben wir 120 Stationen. Ziel ist es, eine bis zwei neue Stationen pro Woche zu errichten.“

Für Elektroautofahrer bietet Smatrics eine Flatrate von rund 15 Euro im Monat – ein „Einstiegsangebot“, wie Fischer selbst sagt. Smatrics hat derzeit noch knapp weniger als 1000 Kunden – immerhin ein Drittel der heimischen Elektroautobesitzer. Den wirtschaftlichen Break-even soll das Joint Venture erst in ein paar Jahren erreichen. Aber das ist derzeit auch zweitrangig. Fischer ist vielmehr als Missionar in Sachen Stromauto unterwegs. „Es gibt immer noch viele Vorurteile. Aber ich kenne keinen E-Auto-Besitzer, der zum Verbrenner zurück will.“

 

Wien blockiert Ladestationen

Natürlich gibt es beim Problem der Reichweite nicht viel schönzureden – wer eine längere Urlaubsfahrt plant, wird mit einem Elektroauto (noch) nicht glücklich werden. Aber ähnlich wie beim Computer ist die Entwicklung rasant. „Ein Tesla kann heute schon 500Kilometer fahren“, sagt Fischer. Die Batterietechnologie verbessere sich ständig. Aber der Energiespeicher bleibt das Hauptproblem beim Elektroauto. Es ist ein bisschen wie beim iPhone: Der Akku ist immer zu klein. „Dabei ist der Elektromotor selbst ja eher triviale Technik“, sagt Fischer. Da ein Elektromotor kaum bewegliche Teile hat, ist er weniger wartungsintensiv. Es gibt keinen Ölwechsel und kein teures Getriebe, das kaputtgehen kann. Dazu kommt, dass das Drehmoment sofort voll verfügbar ist – ähnlich wie bei einer modernen Festplatte, die auch nicht mehr anlaufen muss. Das macht das geräuschlose Beschleunigen im E-Auto zu einem Erlebnis.

Aber die Politik zeige sich bisher wenig kooperativ. „In Norwegen hat man die Umsatzsteuer beim Kauf eines Elektroautos gestrichen“, so Fischer zur „Presse“. Ergebnis: Zuletzt war schon jede fünfte Neuanmeldung ein Elektroauto. Und während in Paris oder Stuttgart ganze Carsharing-Flotten wie Car2Go elektrisch fahren, sucht man in Wien vergeblich Ladestationen an öffentlichen Straßen. Deren Ausbau würde ausgerechnet von der grünen Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou blockiert. „Es wird nicht unterschieden zwischen schmutzigen und sauberen Autos – man will den Individualverkehr einschränken“, so Fischer.

AUF EINEN BLICK

Elektroautos machen weit weniger als ein Prozent aller Fahrzeuge auf der Straße aus – verzeichnen aber beeindruckende Zuwachsraten. Allerdings: Solange Fragen zu Energieübertragung (Ladestationen) und Energiespeicher (Batterien) noch nicht ausreichend beantwortet sind, bleibt das Elektrofahrzeug eher ein Zweitauto.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2014)