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Sonnenkollektoren wie Hängebrücken

Eine neue Technologie ermöglicht billigere und effizientere Parabolsonnenkollektoren. Die österreichische Innovation soll nun in Ägypten getestet werden.

Ökostrom aus Sonnenenergie ist nicht nur ein global forcierter Weg der ökologischen Stromgewinnung durch erneuerbare Energien, sondern auch ein wirtschaftlich bedeutender Industriezweig. Parabolrinnenkollektoren sind seit ein paar Jahren die Hoffnung der Zukunft auf diesem Markt. Bisher waren die Kollektorenelemente auf siebeneinhalb Meter limitiert und sehr teuer in der Herstellung.

Das Start-up-Unternehmen Solabolic hat sich auf den Technologiebereich der konzentrierten Solarenergie spezialisiert. Die Firma ist noch in der Gründungsphase, entwickelt aber bereits auf Basis einer eigenen patentierten Technologie eine neue Parabolkollektoren-Generation. Damit lassen sich größere Elemente bauen und zugleich Materialkosten sparen.

Parabolkollektoren sind lange, parabolisch geformte Spiegel, die das Sonnenlicht auf ein Rohr konzentrieren. Der Vorteil: Damit lassen sich im Gegensatz zu flachen Spiegeln viel höhere Temperaturen, nämlich um die 400 Grad Celsius, erzielen.

Das Besondere der Idee der Firma Solabolic ist, wie die Spiegel angebracht sind. „Wir nutzen Prinzipien der Hängebrücken. Deren Statik beruht auf speziellen Spannungsverhältnissen von Tragseilen statt von starren Bauelementen“, sagt der Erfinder und Geschäftsführer von Solabolic, Ahmed Adel.

 

Seile geben die Form vor

Auch bei der neuen Technologie spielen Stahlseile eine buchstäblich tragende Rolle. Bei herkömmlichen Parabolkollektoren muss der Unterbau parabolisch geformt sein. Bei der Solabolic-Technologie nehmen die Spiegel durch die Zugkräfte der Seile eine parabolische Form an.

Statt der Hightech-Herstellung des Unterbaus in speziell darauf ausgerichteten Fabriken nutzt Ahmed Adel also ein physikalisches Prinzip und spart damit einen hochwertigen und kostenintensiven Herstellungsprozess ein. „Statt teurer und schwerer vorgeformter Glaselemente zur Reflexion der Sonne können nun flexible Elemente aus Alu-Blech eingesetzt werden“, so Adel weiter.

Berechnungen der TU Wien bestätigen, dass damit Kollektoren mit einer Breite von zehn Metern bei einer gleichzeitigen Materialeinsparung um 30 Prozent möglich sind. Außerdem halten die neuartigen Kollektoren höheren Windbelastungen stand, denen herkömmliche Elemente nur durch einen größeren Materialaufwand beikommen können. Solabolic hat die Technologie 2013 patentieren lassen.

Die neuen Sonnenkollektoren sollen nun auch in Ägypten weiterentwickelt werden. Ausgehandelt wurde, dass Solabolic trotz der Weiterentwicklung alle Rechte am technologischen Fortschritt behält. Das universitäre Gründerservice Inits begleitete den gesamten Verhandlungsprozess zwischen Solabolic, TU Wien und dem ägyptischen Ministerium für Höhere Bildung. Inits ist Teil des AplusB-Programms des Technologieministeriums.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2014)