Ein Hochhaus voller Hochtechnologie

WIEN: TU WIEN EROEFFNETE WELTWEIT ERSTES PLUS-ENERGIE-BUeROHOCHHAUS
WIEN: TU WIEN EROEFFNETE WELTWEIT ERSTES PLUS-ENERGIE-BUeROHOCHHAUSAPA/MATTHIAS HEISLER
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An der TU Wien wurde am Donnerstag das erste Plus-Energie-Bürohochhaus eröffnet. Es soll mehr Energie ins Netz liefern, als es für Nutzung und Betrieb verbraucht. In drei Jahren werden die Daten verglichen.

An einer Technischen Universität laufen die Computer mitunter Tag und Nacht – warum also nicht die im Server-Raum entstehende Wärme für das Heizen nutzen? „Damit kommt man über den gesamten Winter“, sagt Thomas Bednar, wissenschaftlicher Projektleiter des neuen Plus-Energie-Bürohochhauses am Campus der TU Wien.

Die Nutzung der Server-Wärme ist aber nur ein Puzzlestein im Konzept für das intelligente Hochhaus, das am Donnerstag offiziell eröffnet wurde: Um das elf Stockwerke hohe ehemalige Chemiegebäude am Getreidemarkt rundum energietechnisch zu erneuern, waren viele Schritte notwendig. Die zwei Jahre dauernde Sanierung wurde daher als Forschungsprojekt angelegt und – zusätzlich zur Basisfinanzierung aus dem Wissenschaftsministerium – im Programm „Haus der Zukunft“ mit Mitteln aus dem Technologieministerium gefördert.

Das Resultat ist ein Bürogebäude, das mehr Energie ins Stromnetz speisen soll, als es für Betrieb und Nutzung braucht – das erste weltweit, heißt es aus der Technischen Universität. Dafür haben sich die Forscher um Bednar genau angesehen, welche Geräte in der Nutzung wie viel Energie brauchen: von der Kaffeemaschine bis zum Bildschirm oder Rechner, der nicht abgeschaltet wird.

„In einem Energieausweis ist nur aufgelistet, wie viel Energie ein Gebäude für das Heizen, Kühlen, Beleuchten oder Lüften braucht. Wir haben uns auch Büro- und Küchengeräte angesehen“, sagt Bednar. Denn immerhin: Der Energieanteil dieser Geräte liegt bei etwa 50 Prozent des Gesamtenergieverbrauchs eines Gebäudes. In der Planung und auch im Alltag wird er aber meist nicht berücksichtigt.

Fotovoltaik in der Fassade

Bei der Generalsanierung blieb vom Hochhaus dann nur mehr das Skelett. Die Fassade wurde wärme- und sonnenschutztechnisch völlig erneuert. Dabei wurde mit rund 2200 Quadratmetern die größte in eine Fassade integrierte Fotovoltaik-Anlage Österreichs eingebaut. Und auch der Lift erzeugt Energie, die wiederum ins System eingespeist wird. Bleibt Energie über, wird der Strom zum Verbrauch in die Nachbargebäude eingespeist.

Viele Maßnahmen seien auf den ersten Blick nicht ersichtlich, so Bednar. Das Gebäude, das im vollen Betrieb Platz für 1800 Studierende und Mitarbeiter bietet, habe ein gewisses Eigenleben: Geht man etwa einen Gang entlang, schaltet sich das Licht automatisch an und auch gleich wieder aus, es „begleitet“ den Nutzer sozusagen. Für das Gelingen des Projekts brauchte es aber auch Überzeugungsarbeit: etwa, damit alte Geräte gegen energiesparende neue Geräte ausgetauscht werden.

Drei Jahre lang wird das Haus nun selbst zum Forschungslabor: Die Wissenschaftler sammeln rund um die Uhr Daten und können so den Energieverbrauch genau beobachten.

Die erste Zwischenbilanz ist jedenfalls gut: Die TU-Mitarbeiter der Fakultät für Maschinenwesen und Betriebswissenschaften bezogen das Gebäude im Sommer. Die Kühlung im Inneren – die Fußbodenheizung kann auch mit kaltem Wasser befüllt werden – mussten sie nie nutzen. Die anderen Maßnahmen reichten bereits aus, um das Gebäudeklima angenehm zu halten.

Mehr auf: diepresse.com/energie

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.11.2014)

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