Davis Cup: Zwischen Córdoba und Gaza-Streifen

Österreich unterlag Deutschland neuerlich 2:3 und muss ins Play-off. In Schweden wurde das Duell gegen Israel zum Centre-Court politischer Kundgebungen.

GARMISCH. Ein „Fitzelchen Córdoba“ liege über dem Olympia-Eissportzentrum, hatten deutsche Medien vor der Davis-Cup-Begegnung zwischen Deutschland und Österreich gewitzelt. Sonntagnachmittag aber stand fest: Die ÖTV-Auswahl konnte die deutschen Cupper nicht schlagen, auch aus der Revanche für die Niederlage in Unterpremstätten vor 15 Jahren wurde nichts. Jürgen Melzer unterlag in der vorentscheidenden Einzelpartie Nicolas Kiefer 6:7, 4:6, 4:6. Stefan Koubek gewann die irrelevante fünfte Partie gegen Christopher Kas 6:2, 6:3. Der Traum vom ersten Sieg gegen Deutschland im fünften Duell ist damit ebenso geplatzt wie jener vom ersten Aufstieg in das Viertelfinale seit 1995.

Knackpunkt für Österreich war neben den beiden Melzer-Niederlagen das verlorene Doppel, bei dem Julian Knowle und Alexander Peya gegen das Duo Kiefer/Kohlschreiber in vier Sätzen verlor.

Einmal mehr erwiesen sich die begrenzten personellen Möglichkeiten, die ÖTV-Kapitän Gilbert Schaller zur Verfügung stehen, als Krux. Während sein deutsches Gegenüber Patrick Kühnen theoretisch auf acht Spieler aus den Top100 der Weltrangliste greifen kann, beschränkt sich der österreichische Spielerpool seit Jahren auf die „üblichen Verdächtigen“ Melzer, Koubek, Peya und Knowle. Ob und wann Martin Fischer, Andreas Haider-Maurer oder Daniel Köllerer für Einsätze im Davis-Cup reif sind, bleibt abzuwarten. Im Play-off (18. bis 20.November; Auslosung: 12.Mai) um die Weltgruppenzugehörigkeit kaum.

Schwere Ausschreitungen

Weniger sportliche denn vielmehr organisatorische Sorgen hatten die Veranstalter der Begegnung Schweden gegen Israel in Malmö. Das Areal um die „Baltic Hall“ war schon im Vorfeld der Begegnung zur Hochsicherheitszone erklärt und das Publikum ausgesperrt worden. Grund dafür waren Proteste gegen Israels Vorgehen im Gazastreifen. Tatsächlich kam es zu schweren Krawallen. Unter die rund 6000 friedlichen Demonstranten, die einen Stopp des Matches forderten, hatte sich eine kleine Gruppe von maskierten Angehörigen der Autonomen-Szene gemischt, die die rund 1000 aufgebotenen Sicherheitskräfte mit Knallkörpern und Leuchtraketen und einen Mannschaftsbus mit schweren Steinen attackierte.

Ursprünglich hatte Malmös Verwaltung das Länderspiel wegen der muslimischen Gemeinde in der Stadt überhaupt absagen wollen. Letztlich wurde es zwar ausgetragen, aber es wurden nur 300 Personen, darunter Teams, Medienvertreter, Sponsoren und geladene Gäste in die Halle gelassen.

Das Szenario genießt Ausnahmecharakter. Erst ein Mal zuvor war ein Davis-Cup-Duell vor leeren Rängen ausgetragen worden: 1975 wurden Chile und die Pinochet-Diktatur bestreikt – ebenfalls in Schweden.

Israel protestierte heftig: Es sei ein Fehler, Sport und Politik zu vermengen, wurde Israels Verbandschef Michael Klein zitiert.

AUF EINEN BLICK

1995 schaffte Österreich zuletzt den Einzug ins Davis-Cup-
Viertelfinale, seither ist die ÖTV-Truppe achtmal gescheitert.

Nach der 2:3-Niederlage gegen Deutschland muss Österreich von 18. bis 20. September im Playoff um die Weltgruppen-Zugehörigkeit, kämpfen (Auslosung: 12. Mai).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.03.2009)

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