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FC Barcelona: In ewiger Rivalität zu Real Madrid

SOCCER - CL, Ajax vs Barcelona
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Der FC Barcelona ist mehr als ein Fußballklub – er ist ein politisches Manifest der Eigenständigkeit. Niemand verkörpert das besser als Bayern-Trainer Pep Guardiola.

Hans Krankl, der Barcelona-Goleador der späten 1970er-Jahre mit der rauen Kehle, könnte ein Lied davon singen. Nach einer Viertelstunde, exakt in der 17. Minute, intonieren Barça-Fans bei Heimspielen im Nou-Camp-Stadion einen Schlachtruf, der – mit Ausnahme des Erzrivalen Real Madrid – nicht dem Gegner gilt. Die Arena hallt dann wider von der Parole „Independència“, einer politischen Losung als Anspielung auf das Jahr 1714, als Katalonien im Zuge des Erbfolgekriegs an Spanien fiel.

Der FC Barcelona versteht sich nicht nur als sportliche Antithese zu Real Madrid, es ist das „Nationalteam“ Kataloniens, ja, seine „Armee“. Zumal Diktator Franco dem Nobelklub aus Madrid eisern die Treue hielt, während die Katalanen, erst recht in Zeiten der Diktatur, stets auf ihre Eigenständigkeit und ihre Sprache pochten. Es verwundert nicht, dass neben Tenor José Carreras und NBA-Basketballer Pau Gasol Barça-Stars wie Xavi, Piqué oder Ex-Klubpräsident Joan Laporta vor der heutigen Volksbefragung zur Unabhängigkeit für die Sache Kataloniens mobilgemacht haben. In Deutschland engagiert sich derweil ein glühender Verfechter für die Loslösung von Madrid, der sonst sein Privatleben strikt abschirmt. Ein Anruf der Initiatorin Muriel Casals genügte, und schon machte sich Pep Guardiola von München auf nach Berlin, um auf dem Alexanderplatz mit ein paar hundert Gesinnungsgenossen für die Unabhängigkeit seiner Heimat zu demonstrieren.

Während Exilkatalanen sich zu einem Castell, einem Menschenturm, aufrichteten, verlas der Bayern-Trainer in gebrochenem Deutsch und bei lausiger Tontechnik ein Manifest. Per Referendum, hieß es darin, wolle man der „Anomalie“ ein Ende bereiten. Zum Abschluss streifte sich der 43-Jährige, der selbst auf dem Fußballfeld in taillierten Anzügen eine gute Figur macht und sich in München mit einem Zirkel von Katalanen umgibt, ein weinrotes T-Shirt über, das für das Votum warb.

Vater Valentí, ein ehemaliger Maurer, war gewiss mit Stolz erfüllt, fordert er doch ein lautstarkes Eintreten seines berühmten Sohnes für die Eigenständigkeit. Gleich zwei katalanische Fahnen hängen am Elternhaus, drinnen prangt ein Wandteller, unter anderem mit der Zeile: „Mein Traum: die Freiheit.“ Als der Kosmopolit Pep Guardiola, laut Bruder Pere ein „Romantiker und sturer Hund“, noch als Barça-Meistercoach 2011 im katalanischen Parlament die Ehrenmedaille in Empfang nahm, strotze sein Appell vor Nationalstolz: „Wenn wir früh aufstehen, ich meine sehr, sehr, sehr früh, und uns an die Arbeit machen, sind wir als Land nicht zu stoppen. Es lebe Katalonien!“

Sollte Katalonien irgendwann tatsächlich die Unabhängigkeit erlangen, müsste der FC Barcelona womöglich aber in einer Miniliga spielen – ohne die Reibung im Clásico mit Real.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.11.2014)