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Terror: Berlin warnt vor einem IS-Anschlag im Westen

(c) REUTERS (STRINGER)
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Der Bundesnachrichtendienst befürchtet eine „finale Schlacht“ der Jihadisten. Der Irak prüft einen Bericht über den Tod des IS-Führers al-Baghdadi.

Berlin/Washington/Bagdad. Der Bundesnachrichtendienst (BND) in Berlin warnt laut einem Bericht des „Spiegel“ vor einem öffentlichkeitswirksamen, größeren Terroranschlag des sogenannten Islamischen Staats (IS) im Westen. Die Internetpropaganda der islamistischen Miliz zielt darauf ab, eine „finale Schlacht“ mit der Anti-IS-Koalition unter Führung der USA einzuläuten. Ein Attentat im Westen soll demnach die internationale Allianz zwingen, Bodentruppen in den Irak und nach Syrien zu entsenden.

Im Irak ist den Regierungstruppen unterdessen ein Schlag gegen den IS gelungen. Die Truppen rückten ins Zentrum der von den Islamisten besetzten Industriestadt Baji vor, in deren Nähe die größte Raffinerie des Landes liegt. In der Stadt tobten am Wochenende schwere Kämpfe. Über Baji laufen wichtige Nachschubrouten der Extremisten.

Die Regierung in Bagdad untersuchte in der Zwischenzeit, ob Abu Bakr al-Baghdadi, der selbst ernannte Kalif und Führer der IS-Milizen, einem Luftangriff der US-dominierten Koalition auf einen Konvoi in der Nähe der Stadt Mossul im Nordirak zum Opfer gefallen ist. Mit der Einnahme Mossuls hatte im Juni der Siegeszug der Jihadisten begonnen, der kurz vor Bagdad schließlich gestoppt werden konnte. Baghdadi hat im Sommer ein Kalifat proklamiert. Die Jihadisten kontrollieren rund ein Drittel des Irak und Syriens.

Laut dem US-Zentralkommando sei bei dem Angriff am Freitagabend ein Konvoi aus zehn gepanzerten Fahrzeugen zerstört worden. Ziel des Militärschlags war ein mutmaßliches Treffen von IS-Anführern. Es werde einige Tage dauern, bis es eine absolute Bestätigung gebe, erklärte der britische Generalstabschef.

Entsendung von 1500 Militärberatern

Die Regierung in Bagdad begrüßte die Ankündigung der Entsendung weiterer 1500 US-Militärberater durch Präsident Obama, kritisierte die Maßnahme jedoch als spät. Das US-Kontingent verdoppelt sich mit einem Schlag auf mehr als 3000 Soldaten. Die US-Berater sollen laut Washington die irakischen Streitkräfte auch in der westlichen Provinz Anbar unterstützen, einer Hochburg des IS. Freilich sollen sie sich nicht aktiv an den Kämpfen beteiligen. Im Sommer waren dort viele irakische Soldaten desertiert, sie überließen den Jihadisten die Waffen und Kriegsgerät kampflos.

In Bagdad erschütterte am Wochenende eine Bombenserie, die mehr als drei Dutzend Menschen tötete, die Bewohner. (ag.)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2014)