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Banksy: Ist der Graffitikünstler eine Frau?

(c) REUTERS (ANDREW WINNING)
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Keiner kann den anonymen Künstler finden, weil jeder einen Mann sucht, so lautet die jüngste Vermutung.

Könnte Banksy, der berühmte anonyme Graffitikünstler, eine Frau sein? Über das Geschlecht des weltweit agierenden Streetartists, der seine Identität penibel geheim hält, ist in den sozialen Netzen im Internet eine Diskussion entbrannt – angefacht von einem Artikel auf Citylab.com, einem Online-Nachrichtendienst des „Atlantic“.

Der Autor, Kriston Capps, proklamiert darin, dass Banksy mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Frau sei. Seine Behauptung stützt er auf den HBO-Film „Banksy Does New York“, eine Dokumentation über den Oktober 2013, als Banksy einen Monat lang täglich ein Werk in den Straßen New Yorks hinterließ und Graffiti-Begeisterte dabei auf eine Schnitzeljagd durch die Stadt einlud. Erwischt hat den Künstler dabei niemand.

Capps schließt aus dem Film dennoch einiges: Banksy würde, anders als viele (männliche) Graffitikünstler, nicht seinen Namen möglichst oft platzieren. Zudem zeigen seine Werke viele weibliche Figuren, ohne sie zu sexualisieren. Capps zitiert den kanadischen Medienkünstler Chris Healey, der schon seit Jahren die Theorie vertritt, Banksy sei ein siebenköpfiges Kollektiv, das von einer Frau angeführt wird: „Niemand kann Banksy finden, weil alle annehmen, Banksy sei ein Mann.“

 

Zeitungsente: Banksy verhaftet

Die geheime Identität des Künstlers, dessen Werke auch schon aus Mauern gelöst wurden, um zu Millionenpreisen versteigert zu werden, ist schon lange Gegenstand von Spekulationen. Das englische Boulevardblatt „Daily Mail“ „enttarnte“ ihn 2008 als den aus Bristol stammenden Robin Gunningham, der eine Privatschule besucht habe und heute 41 Jahre alt sein müsste. Bestätigt wurde diese „Enthüllung“ nie. Erst vor wenigen Wochen machte eine Zeitungsente die Runde, wonach Banksy verhaftet und identifiziert worden wäre. In Dokumentationen und Interviews mit Szeneinsidern war bisher jedenfalls immer von einem Mann die Rede. Natürlich ist einem Künstler, der es schafft, unerkannt Mauern von New York bis ins Westjordanland zu besprühen, auch zuzutrauen, eine falsche Fährte zu legen, was sein Geschlecht angeht. Dem „Mythos Banksy“ dürften die Spekulationen jedenfalls nicht schaden. (kanu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.11.2014)