Kometenlander Philae: Erstes Signal während Abstieg

Philae wurde um 9.35 MEZ von Rosetta abgetrennt
Philae wurde um 9.35 MEZ von Rosetta abgetrenntESA

Etwa um 12.02 Uhr kam die verspätete Bestätigung, dass die Sonde zwei Stunden nach der Trennung von Rosetta erfolgreich unterwegs und aktiviert ist. Es ist der erste Versuch, auf einem Kometen zu landen.

Plötzlich schien es so, als sei die Mission verloren: Für 11.53 MEZ hatten die Männer und Frauen im ESA-Kommandozentrum in Darmstadt und an anderen Einrichtungen der ESA und NASA ein erstes Signal des Landes Philae erwartet, rund zwei Stunden nach dessen Trennung von der Orbitersonde Rosetta in 22,5 Kilometer Hohe über dem Kometen Tschurjumow-Gerassimenko. Doch es kam und kam über die Satellitenstation New Norcia in Westaustralien (der Name bedeutet übrigens "Neu Nursia, eine Anspielung auf den Heiligen Benedikt von Nursia) nicht daher, und der italienische Flight Director von Philae, Paolo Ferri, wurde in seinem Kommandosessel zusehends immer kleiner und seine grauen Haare grauer.

Um 12.00 wurde in der Menge von Journalisten und Forschern schon von "Fehlschlag" graunt, da riss man im Kommandozentrum plötzlich die Arme hoch und schrie. "Got it!" Es war etwa 12.02, knapp zehn Minuten hinter Plan. Damit ist gesichert, dass eine Datenverbindung zwischen Philae und Rosetta besteht, über die in Kürze auch Fotos vom Kometen kommen werden. Zudem sind viele der zehn Instrumente und anderer Hilfsapparate an Bord mittlerweile aktiv, kalibrieren sich ein und heizen sich auf. In etwa fünf Stunden wird es dann soweit sein: Da erwartet man, etwa um 17 Uhr, das Touch-down-Signal.

Die Spannung war schon vorher förmlich zu hören gewesen, nämlich als Schweigen und Luftanhalten, während man auf das Signal der erfolgten Abtrennung gewartet hatte. Etwa um 10.05 Uhr MEZ kam von der Raumsonde Rosetta, die in 510 Millionen Kilometern den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko umkreist, das erlösende Signal, dass die kleine Landesonde Philae erfolgreich abgetrennt worden sei. Die Trennung war bereits 30 Minuten vorher de facto erfolgt, wegen der Zeitverzögerung aufgrund des langen Übertragungsweges wird jedes Ereignis vor Ort entsprechend später wahrgenommen.

Es ist der erste Versuch in der Geschichte der Menschheit, eine Sonde auf einen Kometen zu bringen. Bisher gab es zwar bereits einige Sonden zu Kometen, etwa die ESA-Sonde Giotto von 1986 zum Kometen Halley, doch diese näherten sich ihren Zielen nur bis auf einige Hunderttausend Kilometer, Giotto kam auf immerhin 600 km und hielt damit bis heurigen Sommer den Annäherungsrekord - seither ist die ESA-Sonde Rosetta in einem Abstand von 10 bis 30 Kilometer um Tschurjumow-Gerassimenko, ein entenförmiges Stück aus gefrorenem Wasser und Gasen mit einem Volumen von etwa 25 Kubikkilometern.

In den Kontrollzentren von Rosetta in Darmstadt bzw. von Philae in Köln brandete Jubel auf. Man wird allerdings noch rund sieben Stunden auf der Streckbank liegen müssen, denn solange dauert es noch, bis Philae die etwa 22,5 Kilometer bis zur Kometenoberfläche bewältigt hat - wenn alles klappt, immerhin speit "Tschuri" bereits kleine Mengen an Oberflächenmaterial aus.

Sekunden vor der Trennung, Spannung im Philae-Kontrollraum
Sekunden vor der Abtrennung, Spannung im Philae-KontrollraumESA

In den ersten zwei Stunden fliegt Philae mit nur wenigen Zentimetern pro Sekunde, beschleunigt aber auf etwa einen halben bis einen Meter pro Sekunde. Während der Nacht hatte es vereinzelt technische "Stotterer" gegeben, so gab es Probleme mit jener Kaltgasdüse auf der Oberseite des Landers Philae, die diesen ab dem Moment des ersten Bodenkontaktes für fünf bis zehn Sekunden zu Boden drücken soll, um das Abfedern ins All zu verhindern und das Eingraben der drei Landebeine mittels Eisschrauben zu erleichtern. Der Projektleiter von Philae, der Salzburger Stephan Ulamec, Mitarbeiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln (DLR), sagte aber, man habe das in Ordnung bekommen.